Zu Besuch beim Hilfswerk Freundeskreis Mongolei

Die Mongol Rally ist nicht nur Abenteuer quer durch Eurasien. Nebenbei setzt die Organisation seit dem Bestehen auch einen Schwerpunkt im sozialen Bereich. Nebst einer Spende von 500 Pfund an ein vorgegebenes Hilfswerk muss jedes Team mindestens weitere 500 Pfund an eine selbst gewählte soziale Institution spenden.So werden jedes Jahr weltweit Projekte unterstützt. Dieses Jahr ging die obligatorische Spende an Cool Earth, welches sich bei dieser Spende für die Sicherung des Regenwaldes und den Lebensraum von Indianerstämmen in Südamerika einsetzt.Bei der persönlichen Spende war es uns wichtig, dass wir ein Land unterstützen, welches sich auch auf unserer Route befindet. So stießen wir auf das luzernische Hilfswerk Freundeskreis Mongolei. Das Hilfswerk hilft behinderten Kindern und armen Familien den Alltag selber gestalten zu können. Da die Verkehrslage und die Infrastruktur in der Mongolei sehr unterentwickelt sind, ist es oft schwierig, mongolesischen Kinder mit Behinderung zu helfen. Oft werden solche Kinder dann in den Jurten auf dem Land verwahrlost und finden kaum sozialen Anschluss, da auch die Eltern mit solchen Situationen oft überfordert sind. Seit zwei Monaten ist nun in der Hauptstadt Ulaanbaatar das neue Zentrum eröffnet worden und wir durften einen Blick hineinwerfen. Hier ist die Nachfrage bereits riesig und es herrscht lebendiger Betrieb und eine super Atmosphäre. Nebst Kindern gibt es auch für Erwachsene mit Handycap eine Werkstatt, in der sie Filzprodukte aus mongolesischer Wolle herstellen können. Die Produkte sind übrigens auch im Zoo Zürich im Mongolenhaus zu erwerben! Zurzeit ist ein Schweizer Pärchen vor Ort, die direkt ab dem Studium kamen und sich nun dort um den Betrieb und die Weiterentwicklung kümmern. Mit Kursen geben sie den Arbeitern vor Ort Entwicklungshilfe mit Fachwissen aus der Schweiz.

Im Ganzen konnten wir das Hilfswerk mit Spenden aus der Schweiz in der Höhe von 2200 Franken unterstützen. Das Geld wird mit Sicherheit gut investiert und es herrscht ein professionelles Klima vor Ort. Wer sich interessiert kann sich auch gerne auf der Webseite schlau machen: www.freundeskreis-mongolei.org

Leider war es nicht gestatten Bilder von den Kindern zu machen, da dazu die Erlaubnis der Elteren fehlte. Mit Imitator Gabriel hatten wir allerdings einen ebenbürtigen Ersatz gefunden.

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Das Gebäude besitzt auch ein eigenes Schulzimmer
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Gabriel beim Spielen
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Die beiden Sozialarbeiter Adrian und Sonja aus der Schweiz
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Shop mit Filzprodukten
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Ein Mongole bei der Arbeit

Liebesgrüsse aus Moskau

Mit dem erreichen des offiziellen Ziels in Ulan Ude nimmt für mich das Abenteuer Mongol Rally nach 66 Tagen ein Ende. Leider kann ich die Rückreise nicht mit antretten, da das Militär ruft.

Die Mongolei Rally war bisher das grösste Abenteuer meines Lebens! Anfangs war es ein Schritt ins Ungewisse, der mit einigen Fragen und Sorgen verbunden war. Diese waren allerdings mehr als nur unbegründet, vielmehr ist eine solche Reise in diversen Belangen sehr aufschlussreich. Die Rally ist nicht nur von A nach B fahren, sondern bietet einem viele Facetten mit Herausforderungen und Erfahrungen. Ich möchte mich ganz herzlich bei den anderen Beiden für diese super Zeit bedanken, ich habe jeden dieser 21’503’000 Meter genossen. Euch weiterhin viel Glück auf der Rückreise, ich bin überzogen, dass ihr unsere Klapperkiste irgendwie in die Schweiz zurückschleppt.

Vor dem Krieg geht es für mich nun aber zuerst mit Vati, Muti und Freundin (endlich wieder schönes Erwachen nach 65 Nächten neben Zeltmattengefährte Roger) planschen nach Sardinien, um mich von den anderen beiden Knallfixen zu erholen.

Vielen Dank nochmals für das grosse Interesse auf dieser Seite, dies hat uns immer wieder aufs Neue ermutigt! Ich hoffe, ich konnte Euch im Gegenzug mit dem Blog das Abenteuer Mongol Rally etwas näher bringen. Alles was ich nun noch auf dem Laptop habe, werde ich in den nächsten Tagen noch hochladen. Die Rückreise werden wir somit leider nicht mehr dokumentieren können.

PandaRider Samuel

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Tag 56 – 59 (09.09. – 12.09.2015) – Russland

Nach dem etwas endtäuschenden Kasachstan konnte Russland eigentlich nur noch besser werden – und das wurde es auch! Aber erstmal von vorne. Die russische Grenze als Ausländer mit eigenem Fahrzeug zu überqueren gilt allgemein als sehr mühselig. Auch die Visa-Bestimmungen erwiesen sich als aufwändige Sache und waren mit viel Papierkram verbunden. Wir wurden aber relativ gesittet behandelt und der Zoll ähnelte erstmals wieder einem etwas zivilisierteren seiner Sorte. Die erste Begegnung konnte dann auch typisch russischer nicht sein. Als ein besser positionierter Russe uns in der Kolone entdeckte, rief er uns mit einer Raucherstimme, die jener von Walter Frosch in nichts nachstand, im klassischen Deutsch-Russisch nach vorne. Wir durften also die ganze Schlage durchlaufen. Der genannte Mann war Mitte 60ig und arbeitete in der DDR-Zeit als Lkw-Fahrer in Deutschland. So ging das Ganze also nochmal schneller von statten und wir hatten einen sehr angenehmen Übertritt mit Zöllner, die gar deutsch sprachen. Aufgrund unserer inzwischen ziemlich heruntergekommenen Blattfedern, fuhren wir im Anschluss im Schneckentempo nach Barnaul. Unsere Zürcher Panda-Kollegen hatten hier auch schon Probleme zu bekunden, wobei sie uns eine Top-Garage angeben konnten, die sich dann auch unseres Pandas annahm. In der Zwischenzeit deckten wir uns mit Konserven und Gemüse ein, um in der Mongolei dem einheimischen Essen möglichst entgehen zu können. Die Mongolen sind die weltweiten Meister der schlechten Küche und berühmt berüchtigt für ihre diversen Milch- und Fleischprodukte. Russland ist im allgemeinen relativ westlich orientiert, was aber auch etwa so zu erwarten war.

24h später hatten wir zum zweiten Mal neue Blattfedern und hofften fest auf ein schadloses Überstehen der Mongolei. Die Mechaniker waren einmal mehr Weltklasse und machten in kurzer Zeit das Beste aus der Situation. Im Ganzen haben wir übrigens für 4mal Garage aufsuchen insgesamt 600 Dollar gezahlt. 1x selbst reparierter Stossdämpfer, 1x ersetzte, hausgemachte Zylinderkopfdichtung und 2x neue Blattfedern. Gemäss Automech Gabriel käme man in der Schweiz für dies locker auf über 4000 Franken.

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Die beiden russischen Panda-Medizinmänner in Barnaul

Am selben Abend fuhren wir dann noch weiter in Richtung Altai-Gebirge und schliefen rund 300km in einem Waldabschnitt direkt an der Hauptstrasse. Der dritte Tag in Russland war dann das Sahnehäubchen. Innerhalb von 600km ging es durch das wunderschöne Altai-Gebirge an die mongolische Grenze. Ein Traum und mitunter einer der schönsten Abschnitte unserer bisherigen Reise. Hier fährt man sämtliche Kilometer begleitet von einem Fluss durch unendlich grosse Wälder die sich erst an der Baumgrenze der schneebedeckten Berge des Altai-Gebirges verlieren. Zusätzlich ist hier bereits langsam Herbst geworden und die Bäume könnten farbiger nicht sein.

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Neuer Rammschutz
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Süd-Russland
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Herbst im Altai-Gebirge
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Altai-Gebirge

Nach diesem wunderschönen Tag kamen wir um 7 Uhr an der Grenze an. Diese war aber schon geschlossen. War nicht weiter dramatisch, wir fuhren einfach ein paar Kilometer in die Natur hinaus und nahmen den Übertritt am nächsten Tag in Angriff.

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Langzeitbelichtung in der russischen Steppe
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Die russische Steppe vor dem mongolischen Zoll

Russland war bisher eine sehr positive Erfahrung. Allerdings war dies erst unser erster Abschnitt in diesem Land, der Zweite wird nun rund in einer Woche folgen.

Moments Of Glory / Part 1

Moments of Glory / Part 1

MOG

Auf solch einer Reise lernt man viele neue Menschen und Kulturen kennen, wobei sich immer wieder sehr Amüsantes ereignet.

Zu Beginn ein paar Storys von anderen Absolventen der Mongol-Rally:
  1. Einem englischen Team, welches 2 Tage vor uns den Pamir überwunden hat, ist mitten in der Pampa die Bremse ausgestiegen. Innovativ wie sie waren, sind sie im Anschluss drei Viertausender rückwärts hinuntergefahren um mit dem 1. Gang mittels Kupplung und Gas bremsen zu können.
  1. Ein Team vor 2 Jahren, das mit unserem befreundeten Team „Cocopelli“ unterwegs war, hat sich so in die Haare gekriegt, dass sie eine Person kurzerhand aus dem Auto schmissen. Dieser aber gab keineswegs klein bei und versuchte seinen Ex-Kollegen via hitchhiking nachzureisen. Als er sie Tage später gar überholt hatte, wollte er seine Chance beim Schopf packen und hoffte um eine Versöhnung. Da diese aber einfach vorbeifuhren drehte der Alleinige so durch, dass er Ziegelsteine nach dem Auto warf.
  1. Ein englisches Team hatte ziemliches Visa-Chaos. Dies merkten sie aber erst am russischen Zoll. So hatten nämlich sämtliche Mitglieder einen anderen Einreisetag. Da aber ihr Kasachstan-Visum auch abgelaufen war, waren sie 6 Tage im staatenlosen Gebiet zwischen den beiden Zöllen gefangen. Sie gründeten also den eigenen Staat Taxistan, hissten jeden Tag ihre Flagge und sangen dazu ABBA als Nationalhymne. Sie erstellten sogar ihre eigene Passkontrolle.
  1. Ein englischer Absolvent aus diesem Jahr hatte sein Ankommen im Ziel dermassen ausgiebig gefeiert dass er sich am nächsten Morgen auf einem Hausboot auf dem Baykal-See wiederfand. Leider aber hatte er keine Ahnung, wie er hierher gekommen war und sein Flieger in die Heimat war auch bereits in den Lüften.
  1. Unser Welschschweizer Kollegen-Team Genghis Tell hatte vor Abreise einen Interview-Termin beim grössten Radiosender der West-Schweiz. Auf die Frage, ob sie denn bereits irgendwelche Rally-Erfahrungen mitbringen, sagte der eine: Auf jeden Fall! Als es die Moderatorin dann etwas genauer wissen wollte, erklärte er, dass er immer wieder auf der Playstation geübt hatte. Die symphatischen Jungs haben es übrigens nicht geschafft, da sie das usbekische Visum verschwitzt hatten. Ende Iran war dann Schluss für sie.

 

Rubrik Kleidung und Auftreten:
  1. Samuel ist nun seit der Türkei und über einen Monat schuhwerkslos. Das erste Mal sind seine Treter vom Autodach gefallen und die iranischen Ersatzschuhe versenkte er darauffolgend im tiefen Bachbett in Tadschikistan. So ist er also in Discos und Restaurants meistens mit den klassischen Adidas-Adiletten unterwegs. Diese gehören aber auch nicht ihm, so dass er oftmals auf die Hoteleigenen Fliess-Bade-Schlarpen ausweichen muss. Stets eine exotische Abwechslung im sowjetischen Nachtleben. Auch den eiskalten Pamir mussten wir mit nur zwei paar Schuhen durchzittern.
  1. Wir sind der Hotelschreck schlechthin! Insofern wir mal ein Hotel aufsuchen, schauen wir meist sonst schon relativ mitgenommen und stinkig aus. Das ganze toppen wir dann aber mit unseren Reisetaschen. Keiner von uns hat einen Koffer oder eine Tasche dabei, so dass wir alle die guten alten Seenger Abfallsäcke zweckentfremden mussten. So trampen wir jedes Mal mit zwei Ködersäcken unter den Armen in die Hotels der Welt.
  1. Samuel muss nun seit Abfahrt auf Zwang der anderen beiden Kollegen nur seinen wunderschönen Schnauz stehen lassen. Da es aber noch nicht für eine buschige Pracht reicht, bleibt es beim fortgeschrittenen Teenie-Flaum. Ganz zur Freude seiner beiden Teamkameraden, die sich jeden Morgen daran ergötzen und den Fortschritt fotografisch dokumentieren. Auch für die Leute, die wir kennenlernen, ist dies immer wieder ein Highlight und sorgt für Lacher. Sieht wirklich bescheuert aus, aber bei so einem Unterfangen kann man sich ja mal gehen lassen.

 

Rubrik Grenzbeamte:
  1. Abgesehen, dass die turkmenischen Grenzbeamten mindestens 30mal gefragt haben, ob wir nicht doch einen Helikopter mit uns führen, waren sie felsenfest überzogen, dass unser Traubenzucker gepresstes und eingefärbtes Kokain war. Allgemein fanden sie sehr gefallen an unserem Arzneikoffer, wobei die ganze Grenz-Patrouille ihre Wunden und alten Narben mit unseren Pflastern und Merfen-Sprays verarztete.
  1. Der usbekische Grenzbeamte war sich definitiv sicher, dass Roger und Gabriel Brüder oder Zwillinge wären, wobei er sie zwang, ihn nun nicht mehr anzulügen und einfach Zwillinge zu sein.
  1. Dem Patron des kirgisischen Zolls haben wir es sichtlich angetan. Der knallharte Bursche wollte unbedingt mit uns auf Sauf-Tour kommen und Mädchen klar machen (gelinde ausgedrückt). So tauschten wir Nummern und er versprach uns, dass er in uns in zwei Tagen in die Hauptstadt nachreisen würde. Wurde dann aber nichts draus. Genau derselbe drohte unserem tadschikischen Abschlepper beiläufig aber immer wieder, ihn über Nacht einzubuchten. Während wir uns amüsierten, traute sich unser Freund kein einziges Mal aufzuschauen.
  1. An einer Party in Bulgarien wurden uns durch eine Promo-Tour Zigaretten geschenkt. Diese schmecken allerdings so abscheulich, dass wir diese fortan nur noch als Bestechungs-Mittel für Polizisten und Zöllner verwenden. Dies sorgt immer wieder für verzogene Gesichter. Ein kirgisisches Opfer war einmal wohl gar dem Brechreiz nahe.

Part 2 comming soon…

PandaRiders ToolKit

Für diejenigen, die sich immer gefragt haben, wie diese PandaRiders ihren faulen Italiener bereits über 18000km durch Wüsten, über Gebirgsketten und Schneegestöber zwangen: In der Schweiz unvorstellbar kommt man hier oftmals mit den einfachsten Mitteln durch. Hier ist bei uns oft das Improvisations-Talent von Mech Gabriel gefragt. Hierzu eine kleine Flowchart als Anleitung.

Anleitung zur Problemlösung
Anleitung zur Problemlösung

Dies ist wohl auch die Kunst an der Mongolei-Rally, nicht abkacken, sondern sich stets irgendwie in die nächste Stadt retten um das Problem zu fixen. Denn in diesen Ländern findet man für fast alles irgendeine Lösung.

Leider kommen wir damit aber dann doch nicht ganz nach Ulaan Batar und mühen uns momentan wieder mit einem altbekannten Feind rum: Den Blattfedern!

Trotz 10-Jahres Garantie des Mechs leiden wir nun einmal mehr unter den Nachwehen des Pamirs. Letztendlich sind wir aber auch einfach zu dick! So müssen wir nun das 4te Mal seit Abfahrt in eine Garage und hoffen, dass wir mit den dritten Blattfedern dann endlich Ruhe haben.

Die Mongolei ist übrigens nicht mal mehr 1000km entfernt und wir sitzen momentan in einer russischen Stadt am Fusse des wunderschönen Altai-Gebirges.

Hoffentlich geht es für uns bald weiter! Das Ziel ist zumindest in Sichtweite.

 

Tag 49 – 56 (03.09. – 09.09.2015) – Kasachstan

Kasachstan – Borat ist wohl eher Rumäne

Kasachstan war uns wie wahrscheinlich ziemlich allen Westeuropäern vor der Einreise auch nur durch die Ami-Komödie „Borat“ ein Begriff. Eines vorneweg, Borat ist kaum repräsentativ für dieses Land. Vielmehr Rumänien oder Usbekistan assoziiert man vom Leben- und Baustil mit diesem Film. Ansonsten ist Kasachstan wahrscheinlich das unbeliebteste Land der Rallyaner wie vielen Foren zu entnehmen ist. So führt die Südroute zwingend und oft auch die Nordroute durch das zweitgrösste Ex-Sowjetland. Ein Land also, welches sich praktisch alle Teams irgendwie vorknüpfen müssen. Viel Papierkram, schwierige Grenzübertritte, korrupte Polizei und unendlich lange Wüsten und Steppen mit schlechten Strassen waren die überwiegenden Schlagwörter der Internet-Beiträge.

Kasachstan ist der grösste Binnenstaat der Welt und ist von der Grösse nahezu mit Europa zu vergleichen. Wir haben die zwei grössten Städte plus die Süd-Nord-Route abgefahren – Thats it! Trotzdem würden wir Kasachstan keineswegs empfehlen, vor allem wenn man die vorhergehenden Staaten gesehen hat. Definitiv hat Kasachstan seine schönen Seiten, man muss dafür aber weit suchen. Mit einem regnerischen Starttag war unser erster Eindruck auch etwas getrübt und nach einer wunderschönen Bergkulisse in Kirgisistan findet man sich hier in der flachen Steppe wieder. Zu unserer Überraschung war der Grenzübertritt aber einer der angenehmeren Sorte. Dies hat wohl auch mit dem frischen Visum-Gesetz zu tun, welches besagt, dass sowohl Deutsche (Gabriel) wie auch Schweizer den Staat ohne Visum bereisen können. Nach dieser kurzen Prozedur fuhren wir rund 3 Stunden in das nahegelegene Almaty. Almaty ist die alte Hauptstadt von Kasachstan und gilt als europäischste Stadt in Zentralasien. Ausserdem war die Stadt in der westliche Hemisphäre aktuell vor allem durch den kürzlich gestellten Olympia-Antrag ein Thema. Hier lieferte man sich mit Peking ein Kopf-An-Kopf-Rennen, in welchem man letztendlich dann aber den Kürzeren zog, obwohl hier eigentlich alles bereit gewesen wäre, wie wir finden.

Almaty liegt am Fuße des kirgisischen Gebirges und glänzt mit seiner ausgezeichneten Infrastruktur in Sachen Wintersport. Mitten in der Stadt befinden sich beispielsweise zwei Ski-Sprung-Schanzen mit darum liegenden Eishallen. Fährt man den Hausberg hoch, entdeckt man ein hochmodernes Skigebiet mit allem drum und dran.

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Almaty ist Austragungsort vieler Winterspiele
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Gebirge über Kirgistan. Links im Bild die moderne Gondelbahn

Aber zurück zum europäischen, denn alles andere war uns Anfangs eigentlich ziemlich egal. Man kann sich kaum vorstellen, wie sehnlichst wir uns einen McDonalds oder einen Burger King gewünscht haben. Seit der Türkei sucht man einen solchen Fast-Food-Riesen nämlich umsonst. Und hier kamen wir nach über einem Monat Entzug endlich wieder auf unsere Kosten. Und Wie! In Almaty findet man wirklich alles was es auch bei uns gibt. Shoppi Tivolis gibt es hier wie Sand am Meer. Die Almatier können dies aber auch bezahlen. Denn hier ist keine Spur von Armut. Hier fährt praktisch jeder ein Luxus-Schlitten, vor allem für protzige SUV haben die Kasachen eine besondere Vorliebe. Auch verabschieden konnten wir uns vom günstigen Lebensstil der letzten Länder. Hier kostet alles in etwa dasselbe wie bei uns in der Schweiz. Wir nahmen uns also ein günstiges Hotel am Stadtrand und machten uns mit dem Taxi in die Innenstadt. Der Fahrer hatte sichtlich Spass an ein paar Touris und zeigte seine Skills in Sachen Rasen-in-der-Innenstadt. Eigentliches Ziel war ein Bancomat und neue Arznei-Mittel, aber daraus wurde nichts, denn der Taxifahrer bot sich an, uns die ganze Stadt zu zeigen. Da wir an einem solch verregneten Tag sowieso nichts besseres zu Tun hatten, willigten wir ein. Nach einer Spritztour ins Finanzzentrum und in das oben genannte Skigebiet kam uns auch wieder in den Sinn, wofür wir eigentlich nach Almaty gingen. In Kasachstan muss man sich innerhalb von fünf Tagen bei der örtlichen Migrationspolizei registrieren lassen. Bringt eigentlich nichts, muss aber zwingend sein. Unsere Vorfahren, die Pandanauten, machten genau diesen Fehler vor 2 Jahren und wurden 6 Tage unter Arrest gestellt. Erst nach einer Busse in der Höhe von 3000 Dollar konnten sie wieder ausreisen. Umso mehr waren wir also bestrebt, dies möglichst bald zu erledigen. Leider gestaltete sich dies wiedermal aufwändiger als gedacht, denn auch unser Taxifahrer hatten keine blassen, wo sich dieses Büro befindet. Oft findet man bei solchen Problemen in Luxushotels Rat oder Hilfe. So suchten wir den erstbesten Palast auf und wurden prompt fündig. Gegen ein Entgelt von 100 Dollar würden sie am nächsten Tag mit unseren Pässen aufs Amt gehen und dies erledigen. Hieß für uns: ein weiterer Tag in Almaty und im Anschluss etwas Druck für die kommenden Tagesziele. Am nächsten Tag sah dann die Geschichte noch etwas düsterer aus. Aufgrund des Wochenendes würde das Ganze auf den Montag verschoben, es sei denn, man hat während diesen zwei Tagen ein Flugticket zurück. Und da uns ja bekanntlich das Glück während dieses Abenteuers förmlich an den Füssen oder bessergesagt an den Reifen klebt, ging auch dieses Mal wieder ein Türchen auf. Der Hoteldirektor Himself besorgte uns beim Flughafen gefälschte Flugtickets um dieses Problem zu lösen. So konnten wir einen weiteren Tag in den Shopping Mals der Stadt rumlümmeln und am Abend bequem zu gegebener Frist unsere gemachten Pässe abholen. Tip Top.

Am folgenden Tag knüpften wir uns die Hauptachse Almaty – Astana vor, welche sich über eine Distanz von 1300km erstreckt und vor allem durch häufige Horrorunfälle Bekanntheit erlangte. Während der ganzen Strecke herrscht Gegenverkehr mit vorwiegend Schwertransportern auf schlechtem Untergrund. Auch Strassenbeleuchtung gibt es nicht.

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Almaty – Astana: 1300km Einöde

Landschaftlich auf tiefstem Niveau kämpften wir uns Kilometer für Kilometer durch die Einöde. Und irgendwie hatten wir auch bei Dämmerung immer noch keinen Platz zum Zelten gefunden und so fuhren und fuhren wir. Gabriel spürte wiedermal das Benzin in seinen Adern und setzte sich zeitweilig zum Ziel, die ganze Strecke am Stück durchzufahren. Unser Mobil läuft mittlerweile aber keine 100 mehr und erst um 4 Uhr morgens nach X-zähligen Strassen-Baustellen erreichten wir die Vororte der Hauptstadt Astana. Allgemein ist es unvorstellbar, was hier momentan in den Strassenbau investiert wird. Von circa 3000km abgefahrenen Strassen in Kasachstan waren mindestens die Hälfte in Arbeit. Zu unserem Unverständnis baut man hier auch nicht Stück für Stück, sondern alles auf einmal, was dann teils hunderte Kilometer auf Umfahrungen und Schotterpisten zur Folge hat. Bevor wir dann endlich ein Hotel aufsuchen konnten, hatten wir noch ein nettes Rendezvous mit der Polizei. Was den Papierkram und das Organisatorische betrifft, sind wir eigentlich stets vertraut mit den Vorschriften und besassen bis anhin immer die benötigten Dokumente. Trotzdem war sich der unsympathische Polizeibeamte sicher, dass wir nebst unserer Greencard irgendeine Versicherung für das Auto benötigen. Leider war ich es in der Vergangenheit meistens, der sich mit der Polizei rumschlagen musste und so war meine Geduld auch begrenzt. Nach einigen bösen Blicken und ein paar schweizerdeutschen Fluchwörtern wurde ich kurzerhand aus dem Büro geschmissen und Gabriel hatte alleine das Vergnügen. Schlussendlich konnten wir uns mit dem Polizist auf 100 Dollar einigen, eine Versicherung oder ein Quittung sahen wir aber nicht. Die Wahl bestand zwischen 150 Dollar plus Versicherung oder 100 Dollar für ihn und eine Weiterfahrt. Die Frage, wie immens wichtig eine solche Versicherung für Touristen ist, hat sich somit auch gleich erübrigt. Insofern es überhaupt eine gibt. Leider kann man sich, ausser sich grün und blau ärgern, nicht wirklich gegen solche Widrigkeiten wehren.

Mit einer etwas angesäuerten Stimmung ging es um 6 Uhr morgens ins heiss ersehnte Bett.

Nach viel Schlaf zwangen wir uns um zwei Uhr aus dem Bett um uns ein Bild von der kasachischen Hauptstadt Astana zu machen. Astana gilt als modernste Hauptstadt der Welt und als Spielwiese für den Star-Architekten Norman Forster, der übrigens in St. Moritz wohnhaft ist. Das „neue Dubai“ besticht durch seine Skyline und einen gut durchkonzeptionierten Masterplan. Berühmtestes Bauwerk ist die zeltförmige Shopping Mall von eben diesem Norman Forster. Es zählt als grösstes Zelt der Welt. Wir gaben also wiedermal den klassischen Städte-Touri, schlugen die Hände hinter dem Rücken zusammen und gaben Töne wie „Oh“ und „Ah“ von uns während wir den Fotoapparat zückten. Auf jeden Fall ein Kontrastprogramm im Gegensatz zu unserem sonstigen Alltag auf der Rally. Da Astana aber wohl das letzte derartige Ziel ist bevor es wieder in den „Schlamm“ geht, gönnten wir uns ein zweites Mal nach Ashgabat ein etwas nobleres Hotel. Erholt setzten wir am nächsten Tag zur nächsten Etappe an. Diese beinhaltete 980km zur russischen Grenze bei Semey, diesmal aber zweigeteilt. Ansonsten gibt es über diesen Abschnitt nichts zu berichten. Langweiliger und öder geht nicht mehr. Die Strassen waren wiedermal nur Baustellen voller Lastwagen und rechts und links weiteten sich Brach liegenden Felder ins Unendliche. Von Zivilisation oder grösserer Vegetation keine Spur. Man möge nun an dieser Stelle denken, dass eine solche Weite und Einsamkeit doch auch ihren Reiz hat. Nein, tut es nicht, denn der Ausblick bleibt im nächsten Strommasten hängen. Zentrale Hauptleitungen mit einer Verfächerung sind hier Fehlanzeige. Hier hat gefühlt jeder Haushalt seine eigene Anbindung zur Stromquelle. Semey selber passt dann auch perfekt in dieses Bild. Eine typische Ex-Sowjet-Stadt mit tausenden qualmenden Kaminen, welche über der riesigen Schwerindustrie türmen. Zu all dem kam, dass unsere Blattfedern das zweite Mal versagten und wir nun gezwungen sind, diese vor der Einreise in die Mongolei zu reparieren. Wahrscheinlich sind das immer noch die Nachwehen des Pamirs.

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Astana – das neue Dubai
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Die beiden 0815-Touris Roger und Gabriel
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Hochhaus in Astana
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Skyline von Astana

Abschliessend kann man sagen, dass wir ziemlich alle Staaten vor Kasachstan empfehlen würden. Kasachstan wird in irgendwelchen Ecken bestimmt ebenfalls reizendes zu bieten haben, aber in unserem Fall traf dies leider eher weniger zu. Einzig die beiden Städte Almaty und Astana waren ein Farbtupfer in der unendlichen Öde, was viel heissen muss bei unseren Reiseabsichten. Auch die Leute sind hier nicht mehr wirklich freundlich und die Freude über ein paar Pandas war begrenzt. Vielleicht ist Kasachstan ja auch etwas zu europäisch.

Tag 42 – 48 (28.08 – 02.09.2015) – Kirgistan

Da unser Supermobil durch unseren undichten Kühlwasserbehälter schon öfters zu heiss bekommen hatte, schien die Fahrt hier zu Ende zu sein. Auf Jeden Fall sprudelte ein mächtiger Wasservulkan aus dem Behälter sobald man den Motor startete. Diagnose: Zylinderkopfdichtung defekt.

Wir versuchten auf diverse Art und Weise dieses Problem in den Griff zu bekommen, jedoch ohne Erfolg. Somit waren wir gezwungen die 2. Nacht auf über 4000m zu verbringen. Etwas unangenehm bei eisigem Wind und Temperaturen unter Null, aber eine andere Möglichkeit gab es nicht.

Am nächsten morgen hielt ein Autofahrer und versprach uns in die nächst grössere Stadt Osh zu ziehen. Von unserem damaligen Standort entsprach das etwa 300km. Wir einigten uns mit 120 Dollar und der gute Mann fuhr los. Durch die vielen Passagiere in seinem Land Rover war er anscheinend etwas unter Zeitdruck und so beschleunigte er bei dürftiger Fahrbahn auf gute 100km/h, bei einem Abschleppseil von weniger als drei Metern Länge. Ich war wohl der, welcher am meisten geschwitzt hat in dieser Zeit. Der Spuk nahm jedoch nach 35 Kilometern ein Ende. Anscheinend war den Fahrgästen nicht sehr behaglich mit einem Panda im Schlepptau und der Fahrer gab uns 100 Dollar zurück, koppelte das Seil ab und verschwand.

Erneut wurde fieberhaft nach einer Abschleppmöglichkeit gesucht und versucht den Schaden mit einem Zylinderkopf-Likör zu beheben. Nach manchen Stunden mit warten verbringend, fanden wir endlich ein Tajik, welcher uns für 300 Dollar in das erste Städtchen nach der kirgisischen Grenze ziehen würde. Gesagt, getan.

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Kinder beim Issyk Kul See
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Kinder beim Issyk Kul See
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Issyk Kul

Nach einer langwierigen Abschlepperei durch die aufgespülte und schlaglochbesetzte Fahrbahn kamen wir endlich in Sari-Taš an. Unser Schlepper hatte uns nun ganze 100 Kilometer durch das Gebirge Tajikistans und Kirgisistans gezogen. Wobei der Grenzübertritt für ihn wohl eher etwas unglücklich verlaufen ist. Wir als Schweizer hatten wohl die Sympathie des Zöllners auf sicher, aber unser Tajikischer Freund war ziemlich nervös, vielleicht auch weil es zwischen den Grenzposten der zwei Staaten schön öfters zu Schiessereien kam. Auf jeden Fall musste er dem geschätzten Zollbeamten mit 100 Dollar schmieren, um 2 mal die Grenze überschreiten zu dürfen, was natürlich in unserem Preis inbegriffen war. Nun verstanden wir auch warum uns der Spass für Tajikische Verhältnisse so teuer zu stehen kam.

Auf jeden Fall waren wir froh in einem noch so kleinen Dorf Unterschlupf in einem „Hotel“ gefunden zu haben und fielen bald in einen tiefen Schlaf.

Am frühen morgen starteten wir den Panda wieder zum ersten mal und hofften, dass die mit Flüssigkeit „reparierte“ Zylinderkopfdichtung uns bis nach Osh bringen würde, um dort die Sache professionell fixen zu können. Optimistisch fuhren wir also in genannte Richtung und liessen die letzten Tage revue passieren. Leider kamen wir nur etwa 3 Kilometer weit und unser gelbes Wunder kam wieder zum stehen. Der Motor lief zwar noch, aber die gesamten Abgase kamen jetzt anstatt aus dem Auspuff aus dem Kühlwasserbehälter. Wir wussten, dass jetzt definitiv die Zeit für einen Garagenaufenthalt gekommen war und machten uns wieder auf um verbeifahrende Autos als Abschlepper zu rekrutieren.

Nach dem 5. Auto hielt bereits ein 8-Plätzer, welcher wohl mit mindestens 15 Personen besetzt war und willigte für 100 Dollar ein uns nach Osh (also 200 Kilometer weiter) zu ziehen.

Überglücklich liessen wir Sari-Taš hinter uns, und nach etwa 3 Stunden herumeiern, erreichten wir eine mit etwa 3000 Hüüzergaragen besetzte Stadt.

Apschleppdienst durch Kirgistan
Apschleppdienst durch Kirgistan
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Kinder an der tadschikischen Grenze

Glücklicherweise erhielten wir unterwegs einen Kontakt eines Schweizer Töffmechanikers, welcher uns zu einer guten Garage weitervermittelte. Dieser nahm sich unserer heruntergekommenen Biene an und schnitzte ihr eine neue Zylinderkopfdichtung. Leider hatte der Pamir unserem Motor mehr Schäden zugefügt als vorerst vermutet, doch dazu später.

Durch die langwierige Reparatur konnten wir endlich wieder mal ein wenig ausspannen und die wärmeren Temperaturen in tieferen Höhenlagen geniessen. Wir gönnten uns ein gutes Guest-House und am Abend gabs ein ausgewogenes Essen mit gutem Budweiser Bier.

Tags darauf konnten wir bereits in der Mechanikerbude antraben und das Werk unseres Retters betrachten und ausprobieren. Leider war das Resultat nicht zufriedenstellend, denn der Motor lief ziemlich unrund, jedoch aufgrund unserer stupiden Idee mit dem Panda den Pamir bezwingen zu wollen. Wie bereits erwähnt, hatte sich durch die enorme Hitze so einiges im Motor verzogen, wobei man hier von Glück reden konnte, dass der Panda überhaupt noch lief und er nicht ein kompletter Motorschaden erlitt und somit unser Abenteuer beendet hätte.

Mit gemischten Gefühlen brachen wir also am nächsten morgen Richtung Bischkek auf. Der Panda leistete soweit seine Dienste und wir konnten die Landschaft in vollen Zügen geniessen. Seen und Flüsse, welche sich in den Tälern der schneebedeckten Gebirgszüge entlangschlängelten und die wenigen Wolken wiederspiegelten, Strassen welche uns ohne ein einziges Schlagloch durch die Berge führten, Wälder mit herbstlich, langsam bunt werdenden Laubbäumen, erinnerten zum verwechseln an die gute alte Schweiz. Dies war sicherlich Grund weshalb wir auch noch vor Bishkek unser Schlaflager neben einem Bergbach aufschlugen um die prachtvolle Natur zu geniessen. Hausgemachte Potatoes und Maissalat mit Gurken und Tomaten von Chefkoch Samuel rundeten den Tag perfekt ab und wiedermal ging es, diesmal mit rauschendem Bergbachsound im Ohr, zu Bett.

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Die wunderschöne Natur von Kirgistan
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Manas, der kirgisische Volksheld
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Selfmade Patatoes! regulärer PandaRiders Speiseplan: Vorspeise ist immer eine Suppe oder Boullion aus der Schweiz. Hauptspeise: – Pasta mit Tomaten-oder anderen Sauce. – Reis mit Gemüse – Schweizer Rösti und Spiegeleier. Zum Frühstück gibt es stets Milchreis mit Sirup und Zimtzucker.
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Nachtlager am GletscherBach
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Gletscherbach in Kirgistan

Die Landschaft flachte Tags darauf langsam ab und um die Mittagszeit herum kamen wir in Bischkek an. Hier fanden wir in einer Biker-Bude Unterschlupf. Empfohlen wurde uns diese von Stas, welcher uns schon in Osh freundlich empfangen hatte. Ein drahtiger 22-jähriger mit Hipsterfrisur empfing uns und begleite uns zu einer alten Blocksteinhütte, in welcher wir übernachten konnten. Die Fenster waren teils behelfsmäßig mit Plastikfolien repariert und auch sonst war die Bude dürftig ausgestattet. Mit Bar und Innenhof ergab das Gesamtpaket jedoch nichts-desto-trotz ein reizendes Ambiente.

In Bischkek wollten wir eigentlich ein paar secondhand Militärjacken aus Sowjet-Zeiten für 2 oder 3 Dollar abstauben. Wir bekamen diesen Insidertipp von zwei Polen, welche wir in unserer Zylinderkopfmisere 50km vor der Kirgisischen Grenze in einer Jurte kennengelernt hatten. Diese waren per Anhalter unterwegs und hatten schon das eine oder andere mal in Kirgisistan Skiferien gemacht. Anyway.

Wir schilderten also dem Biker-Hipster unser Anliegen und am nächsten Morgen sprangen wir mit ihm in einen Bus und ab gings Richtung Bazar. Übrigens: Das Bussystem funktioniert hier etwas anders als in der Schweiz. In der ganzen Stadt fahren etwa 3000 (k.A. aber Unmengen) Busse, bzw. grössere Büssli herum, die an der Frontscheibe eine dreistellige Zahl befestigt haben, welche die Fahrtrichtung bestimmt. Von der Anzahl der Personen gibt es wie so oft in diesen Ländern keine Begrenzung, wenn man also schon an der Frontscheibe klebt, spielt das überhaupt keine Rolle. Nur wird es bei so einem gewurschtel schon schwieriger die Kasse, welche zum bezahlen herumgereicht wird, weiterzugeben. Diese ist ausserdem offen und jeder der Lust hat kann Zahlen oder auch Geld entwenden, was aber wohl glücklicherweise nicht der Fall ist.

Im Bazar angekommen ging es von Container zu Container um an unsere Jacken zu kommen. Ein Container entspricht übrigens einem „Laden“ und es stehen Unmengen davon in Reih und Glied.

Zu unserer Entäuschung kamen wir jedoch nicht in der Winterzeit, und es gab nur Neuware zum Verkauf. Eine normale Jacke tat es dann für ein paar Dollar ebenso, womit wir uns dann auch, zum Unglück unseres Begleiters, etwas spät auf den Heimweg machten. Dieser hätte nämlich, zu unserem Unwissen, um 1 Uhr ein Vorstellungsgespräch gehabt, was er wegen uns sausen Lassen musste bzw. erst um 2 Uhr dort antrabte. Dies hatte wohl negative Folgen, denn als er gegen Abend zurück in die Bar kam hatte er eher eine grimmige Schnute aufgesetzt.

Für uns ging es nach einem Gute-Nacht-Bier schnell mal in die Heia, um am nächsten Tag fit für den Grenzübertritt nach Kasachstan zu sein.

Tag 41 – 46 (23.08. – 27.08.2015) – Pamir

Nach der gelungenen Auto-OP machten wir uns vom Acker um in den östlichen Teil von Tadschikistan zu gelangen. Tadschikistan gilt nach wie vor als ärmstes Land der 15 Ex-Sowjet-Staaten und ist wohl auch einziges Drittweltland auf unserer Reise. Die Schweiz ist übrigens sehr engagiert hier und man trifft vielerorts das Schweizer Kreuz vor Schulen und sonstiger Infrastruktur an. Aufgrund dieser Tatsache und des zeitweiligen Wohnsitz von ihrem geistlichen Oberhaupt Aga Khan in Genf ist man hier als Schweizer ein gerngesehener Gast. Zürich kennt hier kaum jemand, Genf allerdings fast jedermann. Aga Khan ist zwar ein umstrittener Mann, da er in der Vergangenheit auch schon kriegerische Aktivitäten guthieß, allerdings ist sein Stellenwert im Pamir-Gebirge zu vergleichen mit dem Dalai Lama. Mit seiner Fundation in Genf sorgt er für gute Schulbildung der Frauen und nachhaltige Entwicklungsarbeit. Auch predigt er einen eher gemäßigten Islam mit vielen Rechten zugute der Frauen. Sein Obhutsgebiet besteht vor allem aus der autonomen Region Badachschan und dem Oblasch Osh in Kirgistan. Tadschikistan ist zweigeteilt und Grenzziehungen, die Infrastruktur in den Bergen und die verschiedenen Völker sorgen für viel Spannung innerhalb des Landes. So nimmt rund 45% der kirgisischen Fläche das autonome Gebiet Berg Badachschan ein, wo für einen Aufenthalt auch ein zusätzliches Permit verlangt wird. Die Pamiri, bestehend aus vielen grösseren und kleineren Bevölkerungsgruppen, wollen nichts mit der Regierung in Dushanbe zu tun haben. Dushanbe ist aber sehr besorgt um die schlechte Lebensqualität, die unmittelbare nähe zu Afghanistan und der Drogenschmuggel durch dieses Gebiet. So gab es letztes Mal 2012 Krieg zwischen der tadschikischen Armee und den Pamiri, was zahlreiche Tote forderte. Soweit zu der geschichtlichen und politischen Lage in Tadschikistan. Weshalb bereisen wir Tadschikistan? Tadschikistan stellt für uns die grösste Herausforderung der Reise dar. Die meisten Teams meiden diesen Weg aufgrund diverser Gegebenheiten. Dreh-und Angelpunkt zwischen dem Handel von Afghanistan, China und Tadschikistan stellt eben vorhin genannte Pamir-Region dar. Die M41, auch Pamir-Highway genannt, ist eine 1200km lange Hochgebirgsstrasse vom tadschikischen Dushanbe ins kirgisische Osh und ist mit fünf Viertausender die zweithöchste mit dem Auto zu meisternde Strasse der Welt. Letztmals hat Tyrann Stalin in diese Strasse investiert, seither wurde sie nie mehr gross renoviert, was für eine ultimative Challenge für Jedermann wird. Diese Gegebenheiten locken jährlich tausende Touristen in diese Region. Vor allem Fahrradfahrer aus Europa, die hier den absoluten Höhenkick suchen, sind weitverbreitet. Wir aber haben ja den geliebten Panda als Fahruntersatz und starteten mit frischem Wind in die „Mission Pamir“. Die ersten 50km sind ordentlich angenehm und gut befahrbar. Nach 50km kommt man im Kilometer-Takt immer wieder zu Polizei-Checkpoints, in welchen man sich registrieren lassen muss. In Foren ist oft zu lesen, dass auch Touristen mit gültigem Permit oftmals der Eintritt in die Bergregion verwehrt wird, was für unsere Reise sehr drastische Folgen gehabt hätte. Wir aber machten wiedermal entgegen der Empfehlung, dass man sich hier fernhalten soll, nur gute Erfahrungen mit den Leuten, die sich stets sehr kooperativ bei der Routenbesprechung zeigten.

Routenbesprechung mit einem Polizei-Beamten
Routenbesprechung mit einem Polizei-Beamten

Ein abschätziger Blick auf unser Auto sagte zwar meistens, was sie von unserer Idee hielten. Trotzdem liessen wir uns nicht unterkriegen und fuhren weiter ins Gebirge hinein. Wetter und Strasse wurden parallel zueinander kontinuierlich schlechter und dass rumpeln im Auto gröber. Gott sei Dank waren wir mit neuen Blattfedern ausgestattet, ansonsten wäre dies für Mensch und Maschinen wohl kaum auszuhalten gewesen. Durch den Regenfall mussten wir immer mehr Bergbäche, Wasserfälle und Matschfelder überqueren. Abgesehen vom schlechten Wetter sind die Strassen aber auch sonst mit Wanderwegen in der Schweiz zu vergleichen. Und dies ist keinesfalls übertrieben! Wanderschuhe wären Pflicht gewesen und wir fragten uns immer wieder, ob wir uns nicht verfahren haben. Dies war aber kaum der Fall, da es hier nur eine einzige Strasse gibt.

Pamir Anfahrt
Pamir Anfahrt

Auch trifft man hier im Halbstundentakt mal ein Auto an, diese aber immer fünf Mal bulliger und höher als unser Panda. Nichtsdestotrotz schlängelten wir uns durch die schmalen uns enggewundenen Felsstrassen, welche einem abgesehen vom Zustand die absolute Natur in Reinform boten. Wenn man hier 15km/h erreicht, muss man sich keineswegs beklagen. Weiter ist der Pamir vor allem im Frühjahr und Sommer immer wieder von Naturkatastrophen überschwemmt und unterbrochen, was zu langzeitigen Sperrungen führt.

Um acht Uhr spät und 130km zurückgelegt, waren wir am Ende angelangt. Leider nicht freiwillig. Denn wie so oft wurde hier eine grosse Brücke weggespült und wahrscheinlich ist es nicht wirklich prioritär, diese neu zu errichten. Bei Trockenperioden und mit guten Geländewagen ist auch das Bachbett völlig ausreichend, sagen sich die Leute hier. Nicht so heute, denn durch die heftigen Regenfälle war die Strasse, selbst für die tollkühnen Einheimischen, nicht mehr zu bewältigen. Relativ ratlos standen wir also da und die Laune hatte so ziemlich den Tiefpunkt erreicht. Draussen war es zwischenzeitlich dunkel geworden, alles war patschnass und kalt und einen wirklichen Plan für die Weiterreise hatten wir auch nicht. Wir entschieden, eine Nacht abzuwarten und am nächsten Tag zu entscheiden wie es weitergehen soll. Ein Hotel oder eine Pension ist hier übrigens eine Wunschvorstellung. Wussten wir aber nicht, und so machten wir uns auf die Suche. Und wie so oft: Wenn du denkst es geht nicht mehr, kommt von irgendwo ein Lichtlein her! Und Tadaa: Ein tadschikischer Soldat hatte uns angehalten und sein Mitinsasse, welcher aus dem Dorf stammte, sah uns wohl unsere Hilfsbedürftigkeit an. Dieser lud uns dann zu sich nach Hause in die warme Stube ein. Unser Helfer war mit vier weiteren Männern einquartiert. Frauen hatten die guten Herren auch, aber die Leben hier getrennt in einem anderen Haus. So läuft das hier also. Wie die meisten Menschen in dieser Region war die Grossfamilie Selbstversorger und für ein kleines Einkommen arbeiteten sie als Imker, was uns sehr zu gute kam. Wir konnten den frischen Honig nämlich direkt von der Wabe genießen, was äußerst delikat war.

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Zu Gast bei einer tadschikischen Familie

Da unsere Russisch- und ihre Englischkenntnisse sehr dürftig waren, gab es wiedermal eine klassische Hand-und-Fuss Konversation mit dem Klassiker-Thema: deutsche Fussballer. Auch Dauerbrenner: tadschikische und afghanische Terroristen, die hier anscheinend wohnen. Selbst Über-Terrorist Bin Laden sei in diesem Tal häufig gesehener Gast gewesen. Nicht sehr beruhigend, aber der lustige Kerl erzählte dies auf solch süffisante Art und Weise, dass wohl kaum von einer akuten Gefahr auszugehen war. Die unmittelbare nähe zum radikalen Afghanistan schimmerte allerdings zeitweilig bereits ein wenig durch. Beispielsweise wenn es um den Hass gegen Amerika geht oder einer Solidarisierung zum Charlie-Hebdo-Attentat. Die Junggesellen waren wohl die überzogensten Muslime, die wir bis anhin trafen und eine Karikatur von Mohammed war für sie eindeutig Gottesverrat. Abgesehen von Mesut Özil war der deutsche Hass-Prediger Pierre Vogel wohl der einzige deutsche den sie kannten, welcher auch in Videobotschaften auf ihren Handys enthalten war.

Nach diesem intensiven Tag ging es bereits früh in die Heia oder besser gesagt auf den Perserteppich. Um 4 Uhr wurden wir allerdings bereits wieder vom Gebet unserer Gastgeber geweckt. Halb sprechend, halb singend, dauerte dieses gegen eine Stunde und mit unserem Schlaf wurde es dann auch nichts mehr. Nach dem ausgiebigen Frühstück (übrigens wird man in allen dieser Nationen nie mit Hunger aus dem Haus entlassen), machten wir uns einen Überblick über den Wetter- und Flusszustand. Zu unserem Glück wurde der Fluss umgeleitet und aus einer reissenden Flut wurde ein scheues Bächlein. Trotz vielen grossen Bollensteinen im Fluss wollten wir es also wagen. Oder besser gesagt: Es blieb uns gar nichts anderes übrig! Als Absicherung schickte uns unser Gastgeber zusätzlich ein Mähdrescher, der uns bei einem Misserfolg rausziehen könnte. Mit viel Müh und Not und einem jaulenden Panda packten wir es aber doch und wurstelten uns sprichwörtlich durchs Bachbett. Von da an ging es rund 50km an die afghanische Grenze. Hier wurden wir auch wieder alle paar Kilometer zur Registration angehalten und immer wieder von jungen, schwerbewaffneten Soldaten kontrolliert.

Kühlwasser-Kontrolle
Kühlwasser-Kontrolle

Hier kam es meiner Meinung nach zur bislang einzigen unangenehmen Begegnung seit unserer ganzen Reise. Als wir unsere Pässe im Büro registrieren liessen, lud ein Soldat seine leere Kalaschnikov durch, zielte auf die Fahrerposition und drückte ab. Nicht sehr einladend, wenn man rund 10km vor dem Problemland Nummer 1 steht und sich diese Leute eigentlich um unsere Sicherheit kümmern sollten. Vielleicht ist dieser Geste aber auch keine Achtung zu geben und sie fällt eher die Sparte „Jugendlicher Leichtsinn“. Nach der Grenzstadt Davroz, in welcher wir uns noch einmal mit Lebensmittel eindeckten, ging es ins Vachan-Tal. Hier leben Tadschiken und Afghanen Seite an Seite, nur ein 20m breiter Fluss trennt die Völker. In jenem langen Tal sind sie aber mehrheitlich unzufrieden, nennen sich mehrheitlich Pamiri, möchten ein Leben miteinander führen und bekennen sich grundsätzlich eher zu Afghanistan. Durch viele Militär-Patrouillen und die natürliche Grenzziehung bleibt dieser Wunsch aber verwehrt.

Allgemein haben die Leute aus Berg Badachschan einen ungemeinen Groll auf ihre Landsleute im Westen und man sollte diese keineswegs als „Leute aus Tadschikistan“ ansprechen. Sehr komplizierte und verzwickte Geschichte. Dieser Abschnitt ging auch an uns nicht spurlos vorbei und ein leicht mulmiges Gefühl beschlich uns schon, wenn Afghanen teils nur 30m an einem vorbeiziehen. Auch gibt es diverse Räubergeschichten aus diesem Tal, von herüberschiessenden Taliban und so weiter. Der Pamir Highway ist übrigens die Schmuggler-Strasse Nummer 1 wenn es um Drogen aus Afghanistan geht. Der grösste Teil des asiatischen Heroin-Marktes kommt von Chorug und geht über die M41 ins kirgisische Osh .

Wir aber bekamen ein ruhiges, freundliches und wunderschönes Tal zu sehen. Afghanische Bewohner winkten uns gar gelegentlich über den Fluss.

Afghanistan
Afghanistan

Man kann hier auch immer wieder Blicke auf den afghanischen Bau- und Lebensstil erhaschen. Die Menschen sind Meister des Terassenbaus und bewirtschaften in den steilsten Abhängen ihre Felder.

Einziger Nachteil dieser Strecke: die Strassen sind in absolut katastrophalem Zustand und wir benötigten für 240km 16 Stunden reine Fahrzeit. Eine solche Fortbewegung geht ordentlich an die Substanz und so konnten wir glücklicherweise direkt unter einer Militärkaserne unser Nachtlager errichten. Wir entschieden uns für eine baldige Nachtruhe, denn am nächsten Tag wollten wir das Tal definitiv überwunden haben. Morgenstund hat Gold im Mund sagten wir uns und machten uns bereits um 6 Uhr auf den Weg nach Chorug. Chorug ist grösste Stadt im autonomen Gebiet und beendet die Fahrt an der Grenze. Von hier aus geht es steil nach oben in die Höhen des Pamir-Gebirges. So wäre jedenfalls der reguläre Weg, der die Hauptverbindung darstellt. Nach rund 10km war dann aber bereits wieder Schluss mit Fahren. Zu unserem Unwissen war die Strasse über einen Monat durch eine Schlammlawine gesperrt. Die Region hatte den schlimmsten Sommer aller Zeiten zu beklagen und mit 46 °C Spitzentemperatur eine Sintflut an Gletscherwasser mitgebracht. Durch die Schlammlawine staute sich ein 23 Meter tiefer See an, welcher im Juni 2015 diverse Häuser unter sich liess und über 400 Menschen das Leben kostete. Die übrig geblieben Häuser des Dorfs können nun nur noch via Boot erschlossen werden.

Die ganze Strasse der M41 wurde wortwörtlich weggefegt und eine neue musste nun errichtet werden.

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Naturgewalt: Die abgerissene Strasse nach Chorug

Einziger Ausweg für uns wäre weiter an der afghanischen Grenze entlang gewesen, welcher dann in halber Bergsteigermanier 150km weiter oben an die Hauptachse anschließt. Dies war dann aber eher weniger unsere Intention.

Aber wie so oft bei unserer Reise hatten wir wieder einmal Glück und die neue 3.2 km lange Strasse sollte noch genau an diesem Tag eröffnet werden. Unsere Schweizer Freunde vor uns hatten weniger Glück und mussten die vorher genannte Route wählen. So standen wir also bereits um 1 Uhr vor der Kette und warteten mitunter weitern 50 Fahrzeugen. Bis 5 Uhr sollten die Arbeiter gemäss Polizei noch haben und praktisch im Minutentakt fuhren schwere Baumaschinen und Lastwagen rauf und runter. Die Strasse wurde aufwändig aus dem Bergmassiv gesprengt und meist hatten die Bauarbeiter Tag und Nacht gearbeitet. Die M41 ist für Chorug und die umliegenden Bergdörfer das wichtigste Gut um Geschäfte zu tätigen. Nach einem Bad im eiskalten Bach und viel Rumgezappel war es dem Grenzbeamten wohl zuviel mit uns und er schickte uns als einziges Auto zum nächsten Checkpoint. Abgesehen von 10 weiteren Auserwählten, die aber alle etwas mit den Baugeschehnissen zu tun hatten, waren wir die einzigen normalen Zivilisten. Durch unsere Schweizer Nummer waren wir natürlich schnell wieder im Blickfang der Bauleute und gerieten schnell mit den zuständigen Ingenieuren aus Moskau in Kontakt, die uns dann einen kleinen Vortrag hielten. Auch die Baustellen-Verordnung ist hier etwas anders als bei uns. Ohne Probleme kann man sich hier im regen Baustellen-Betrieb aufhalten und sich um die vorbeischnellenden Schaufeln und Konsorten schlängeln. Auch war die Strasse noch alles andere als fertig und die Baumaschinen standen noch alle im Weg, als es dann um 7 Uhr endlich losging. Und hier wieder mal eine Geschichte wie es nur die Mongol-Rally schreibt: Das Militär stand Strang und alle wichtigen Personen der Regierung waren erschienen, als es loszugehen schien. Und irgendwie waren wir nach all diesen Wartestunden die Vordersten in der Reihe und konnten die Strasse als erstes Zivilauto passieren. Plötzlich stand das tadschikische Fernsehen mit einem Regierungsmitglied vor uns, um die Einweihung festzuhalten. Als sie die Schweizer Touristen mit dem Panda sahen, war dies geradewegs perfekt für das TV-Team und wir mussten aussteigen und der gut betuchten Regierungs-Dame die Hand vor laufender Kamera schütteln. So in etwa wie wenn sich zwei Staatsoberhäupter vor dem Meeting die Hand reichen. Nur das wir halt nur die einfachen PandaRiders sind. Die rumplige Strasse hielt und wir können mit guten Gewissen den Swiss-Quality-Segen darauf geben. Von nun an ging das richtige Pamir-Abenteuer los: Denn schnell kommt man in höher gelegene Gebiete jenseits der 3000 Meter und dies über rund 5 Tage. Leichte Kopfschmerzen, Schwindel und eine gehemmte Kondition tauchen auf. Auch Sanitär-Anlagen und Pensionen sind hier fehl am Platz. Die Temperatur in der Nacht stieg teils tief unter die 0-Grad Grenze und gar unsere Wasservorräte froren ein. Nichts desto trotz ist dieses Gebiet wohl das schönste Stück Erde, das wir je zu Gesicht bekamen.

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Frühstück am Fusse des Pamirs

Einsame Natur mit schneebedeckten Gipfeln jenseits der 7000 Meter, stahlblaue Flüsse und einen Sternenhimmel wie man ihn nur selten sieht. Ein Muss für jeden Abenteuer-Liebhaber! Der ganze Kampf mit diesen Gegebenheiten verfliegt wie im Nu und man geniesst nur noch das Erreichte! Das ganze gipfelt dann mit der höchsten Passstrasse des Pamir-Gebirges: 4655 Meter über Meer! Einen Meilenstein für uns und unseren Panda. Doch der Panda litt, sehr sogar! Die dünne Luft und der immer schlechter werdende Motorenzustand zwangen uns bald zu einer langen Pause mit Folgen. Doch dazu von Gabriel mehr!

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Wunderschöne Natur auf 400m ü. M.
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türkisch-farbene Flüsse
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Wir habens geschafft! Die Pamir-Passhöhe mit 4655m ü. M
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Pamir Passhöhe
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Nachtlager im kargen Gebirge

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Unsere Erfahrungen bei der Mongol Rally.