Tag 17 (02.08.2015) – Türkei

Ünie war unser letzter Halt bevor es nun wirklich exotischer wird. In einer Zwei-Tagesetappe möchten wir nun den Iran erreichen. Leider war Sonntag und wir konnten unsere Sicherheit im kurdischen Gebiet nicht vollends klären, da das EDA in der Schweiz und in Deutschland nicht erreichbar war. So fuhren wir soweit es geht am schwarzen Meer entlang bis fast an die Grenze zu Armenien. Der Ort Hoppa war unweit vom kurdischen Gebiet und mit Sicherheit kein sonderlich gefährdeter Ort. Rund vierhundert Kilometer konnten wir zurücklegen bevor wir einen Freund aus dem Team Gengis Khan anriefen um uns nach seinen Erfahrungen im Gebiet zu erkundigen. Das Team-Mitglied Ekim ist selber Türke und kennt das System sowie die Probleme gut. Leider mussten diese aber bereits an der turkmenischen Grenze kehren, da sie kein Visum für Usbekistan hatten. Sie durchfuhren das Gebiet zwar zweimal, jedoch waren sie bereits wieder in Istanbul auf dem Rückweg. Dank einem Offizierskurs in der Schweiz kannte Ekim einen Ranggenossen aus der Türkei, welcher sich genau bei Hoppa auf der Kaserne aufhielt. Dieser konnte uns mit Bestimmtheit sagen, welche Gebiete wir meiden sollen und was wir zu Berücksichtigen haben.

Und jetzt kommt mal wieder eine Geschichte Made in Turkey:

Die Kaserne war mit Soldaten und hohen Zäunen gesichert und mit grossem Respekt hielten wir den Panda vor der Anlage. Die türkische Armee ist aus den Medien bekannt für ihre harte Gangart.

Wir hatten keine Ahnung, was dieser Offizier für ein Typ war und so schickten wir Roger mit dem bereits absolvierten Militärdienst an das grosse Tor. Dieser studierte noch kurz den Gruss ein, um beim Ranghöheren auch entsprechend zu salutieren. Am Tor fand eine Passkontrolle statt und Roger wurde von einem Soldaten mit Sturmgewehr in das Gebäude geführt. Unser Kontaktmann war der höchste dieser Kaserne und durfte im Gegensatz zu allen Anderen in Zivilkleidung herumlaufen. Keine zwei Minuten später war Roger wieder beim Auto und winkte zum Mitkommen. Der Offizier grüsste uns freundlich und führte uns in sein grosses Büro. Auf einer Karte studierten wir unsere Route und er segnete unseren Plan ab. Es sollte also keine Probleme bei einer Durchfahrt geben wenn man sich auch entsprechend unauffällig benimmt. Jedoch sollten wir nicht bei Nacht fahren und ihm wäre es wohler, wenn wir hier übernachten würden. Leider musste er noch eine Stunde arbeiten und es war ihm nicht im Geringsten recht uns alleine zu lassen. So brachte er uns in einen gemütlich eingerichteten Aufenthaltsort, und stellte uns einen Soldaten zur Verfügung. Ohne einen geäusserten Wunsch bediente dieser uns mit Getränken und Kaffee und wollte gar noch etwas zum Essen organisieren. Stets ehrfürchtig im Achtung stehend und fast ein bisschen ängstlich versteht sich. Dieser wartete fast 1.5 Stunden hinter uns bis zu seiner Ablöse durch den Chef. Jener bat uns nochmals Aufrichtig um Entschuldigung und führte uns zum Nachtschlag der Kaserne. Wir gingen davon aus, dass wir in den Militärbetten übernachten dürfen, aber es kam dann ganz anders. Vorbei an jenen bat er uns in den obersten Stock in seine eigene Wohnung. Als erstes entschuldigte er sich erneut für seine dreckige Wohnung (was sie nicht im geringsten war) und stellte uns sein ganzes Appartment zur Verfügung. Und nun kommt das Beste: Jener gute Mann ist frisch seit zwei Tagen verheiratet und verzog sich dann mit seiner Frau aus der gemeinsamen Wohnung, sodass wir auch wirklich Ruhe haben können. Zusätzlich stellte er uns wieder einen Soldaten zur Verfügung, welcher uns dann auf Kommando Pizza aus der Stadt besorgte. Uns war es an allen Ecken und Enden nicht Recht und wir wussten beim besten Willen nicht, wie wir diese Gastfreundschaft irgendwie erwidern konnten. Unglaublich – Jede Grossmutter ist ein knausriger Geizkragen gegen diese Türken.

Hier wird man als Gast wie ein König behandelt. Wer sich also mal Zuhause vernachlässigt fühlen sollte, soll mal nicht touristische Gebiete der Türkei besuchen. 😀

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