Tag 18 (03.08.2015) – Türkei, Iran

Leider konnten wir uns wie angekündigt während der Zeit im Gottesstaat Iran nicht melden. Einerseits hat dies mit der Zensur des Internets zu tun, andererseits hatten wir auch schlichtweg keine Zeit bei dem hektischen Lebensstil der Iraner. Mittlerweile haben wir den nahen Osten Richtung Zentralasien verlassen und 10 Tage im Iran hinter uns. Aber erstmals von vorne…

Nach der Nacht beim türkischen Offizier nahe der georgischen Grenze fuhren wir früh morgens los durch das kurdische Gebiet. Kurdistan zieht sich über die vier Länder Türkei, Iran, Iraq und Azerbaijdan. Leider haben die Kurden noch immer keinen eigenen Staat, obwohl es fast 10 Millionen Kurden gibt. Dies führt oft zu latenten Spannungen in der Türkei und dem Iraq. So fuhren wir möglichst ohne Rast durch dieses Gebiet, obwohl es durchaus sehenswert war. Es war gar eines der unerwarteten Highlights unserer bisherigen Reise. Über hohe Passstrassen und grüne Gebirgszüge geht es schlagartig in die karge Steppenlandschaft, wie wir sie aus dem nahen Osten kennen. Rotgefärbte Erde und Hügellandschaft soweit das Auge reicht. Einziger Eyecatcher während dieser Fahrt war der 5217 Meter hohe und heilige Berg Arafat, auf welchem die Arche Noah der Bibel nach gestrandet war. Dieser ragt mit seiner weissen Schneekuppe über das Länderviereck Türkei, Azerbaidjan, Armenien und Iran. Am Abend erreichten wir den Zoll zum Iran. Über diesen gibt es tausende Geschichten und Legenden wobei hier auch unser Partnerteam einen 24h Aufenthalt hatte. Wir waren also gewappnet. Sobald wir rund 1km an die Grenze heranfuhren wurden wir dank dem schweizer Nummernschild von einem, nennen wir es einmal „Grenzhelfer“, entdeckt und abgefangen. Dieser versprach uns ohne jegliche Entlohnung über die Grenze zu bringen und sich für den Papierkram zu kümmern. Dies natürlich weil er so ein Gutmensch ist und gerne Fremde über den Grenzübertritt begleitet. Als Greenhorn ist man solchen Menschen relativ schnell ausgeliefert und wir liessen es über uns ergehen. Allgemein stehen an dieser Grenze hunderte von Leuten die alle irgendeine Aufgabe haben, keiner ist allerdings wirklich vom Staat angestellt. Ständig wird versucht, einem die Pässe und Dokumente aus den Fingern zu ziehen und einem zu „helfen“. Äusserst bizarr wie die dieses Zollsystem funktioniert und wer welche Aufgabe zu erfüllen hat. Man kann dort auch seelenruhig ins Passbüro der Beamten reintrampen, wo tausende von Pässen und Dokumenten rumliegen.

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Kurdistan sieht der Schweiz verdächtig änlich
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Kurdistan, Türkei
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Der heilige Berg Arafat

Nach rund einer Stunde konnten wir im Anschluss den türkischen Pass passieren und nach einer weiteren den Iranischen, natürlich mit riesigem Papierkram verbunden. Unser Grenzhelfer staubte letztendlich dann doch rund 50 Dollar ab mit einem versteckten Devisengeschäft, aber wir waren ja darauf vorbereitet. 5 Meter nach dem Zoll kam dann eine etwas heruntergekommene Waschanlage, die ein paar Iraner dort selbst hingebaut hatten, wo man weitere 5 Dollar für ein bisschen Spritzwasser abladen musste. Eines haben wir bis hierhin gelernt: Grenzen sind nie wirklich representativ für ein Land, und Gauner tümmeln sich meist in diesen Grenzregionen. Um 7 Uhr Ortszeit kamen wir im Anschluss in der Grenzstadt Bazargan an, wo uns diverse Hotels angepriesen wurden. Mit dem vorherig Gelernten im Rückgrad lehnten wir jedoch dankend ab und fuhren langsam ins Landesinnere. In den östlichen Staaten wird empfohlen, aufgrund der dürftig talentierten Verkehrsteilnehmer nicht nachts zu fahren und so wollten wir möglichst schnell einen Platz zum Zelten finden. Apropos Autofahren im Iran: Ausser Peugeot, Renault und Hyundai gibt es fast ausschliesslich nur iranische Automarken, die dann auch verdächtig den Verkaufsschalgern in unseren westlichen Sphären ähneln. Und wie gesagt wurde den Iraner das Talent auch nicht in die Wiege gelegt. Mit rund 30000 Verkehrstoten pro Jahr befinden sie sich auf den Spitzenplätzen weltweit. Bereits am ersten Tag wurden wir dann auch etwas speziell in einen Unfall verwickelt. Die Lieblingsbeschäftigung der Iraner ist das picknicken in Pärken, wo man auch übernachten kann. Jeder etwas grössere Ort hat solche Pärke, wo man sich nach dem Feierabend in grossen Gruppen verabredet. Auf jeden Fall fanden wir nach geraumer Zeit einen Park direkt an der Hauptstrasse. Bereits bei der Ankunft wurden wir wie Präsidenten empfangen und wurden schnell zum Mittelpunkt des Parklebens. Beim Kochen kamen immer wieder Leute zu uns und boten uns Tee und Essen an. Auch von den Autofahrern wurden wir nicht übersehen und es wurde gehupt und gewunken. Dies führte soweit, und hier wären wir wieder beim ersten Unfall, dass ein Autofahrer so eifrig mit Winken beschäftigt war, dass er dem Vorausfahrenden direkt ins Heck krachte. Später abends wurden wir von 3 Jugendlichen mit Wassermelone empfangen. Wir boten ihnen an, sich zu uns zu gesellen, was sich rumsprach wie ein Lauffeuer. Bereits nach einer halben Stunde waren rund 20 Jugendliche um unser Lager, die alle Fotos und Infos wollten. Nach geraumer Zeit wollte ein junger Herr uns zu sich nach Hause einladen. Fremde aufnehmen ist erstens im Iran verboten und zweitens stand unser Nachtlager bereits. So waren wir etwas unentschlossen und die Masse begann immer mehr zu drängen. Bereits wurden erste Utensilien von den jungen Leuten zusammengeräumt, sie probierten unser Zelt zusammenzuräumen und unser Geschirr zu säubern. Obwohl dies aus reiner Gastfreundschaft war, war es etwas unangenehm für uns und wir beschlossen vor Ort zu bleiben, was einen hartnäckigen verbalen Kampf zur Folge hatte. Es lief darauf hinaus, dass der genannte Junge mit feuchten Augen das Areal verlies und wir vor versammelter Gesellschaft ins Zelt flüchten mussten. Nach einem langen Tag hatten wir nun endlich unsere Ruhe und bereits einiges erlebt im Iran.

 

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