Tag 21 + 22 (06.08. + 07.08.2015) – Wir lieben den Iran, und der Iran liebt uns…

King Amir of Persia (Part 1)

Diese paar Tage fassen wir nun zusammen weil sie einzeln nicht so interessant wären und bis jetzt unser speziellstes Erlebnis der Reise waren.

Nach der Nacht im Hotel in Rasht planten wir einen Ruhetag in der Millionenstadt Teheran und dem Kulturzentrum Esfahan im Landesinneren ein. Die Route führte uns am kaspischen Meer entlang und würde uns dann über das Elburg-Gebirge nach Teheran führen. Doch es kam alles anders…

Nach 2-stündiger Fahrt hielt am Rotlicht ein grosser Hyundai auf der Nebenspur. Dieser begrüsste uns wieder in klassisch freudiger iranischer Manier und fragte uns, ob wir zu ihm in seiner Villa essen und übernachten möchten. Gegenüber solchen Aussagen waren wir bisher eher etwas skeptisch, jedoch konnte die Frau des Autofahrers perfektes Englisch und die ganze Familie machte einen überaus sympatischen Eindruck und so konnten wir ihr Angebot kaum ausschlagen und willigten ein.

Nach einem kurzen Stop um Oliven zu kaufen (welche wir alle überaus lieben ;-)) kamen wir kurze Zeit später in seiner Villa an. Der Einladende stellte sich mit „Amir, King of Persia“ vor, wobei das wohl eher etwas überkandidelt war. Kaum in der guten Stube, wurde uns ein Whiskey aufgetischt, was natürlich im Iran streng illegal ist. Unser guter Freund wurde vor einiger Zeit gar mit 20 Peitschenhieben bestrafft als er bei einem Schlummertrunk erwischt wurde. Jedoch sind wir ja grundsätzlich keine Kostverächter und schlugen ihm das Angebot natürlich nicht aus. Etwas angetrunken kam ihm die Idee ans Meer schwimmen zu gehen. Obwohl Amir bereits ordentlich einen Sitzen hatte, fuhr natürlich das Familienoberhaupt mit Handfraktur und zu zehnt im Siebenplätzer ging es Richtung Strand. Wir drei in der hintersten Reihe sprachen bei seinem Fahrstil bereits das „Ave Maria“.

Nach dem Planschen gab es Luftgewehrschiessen auf Plastikflaschen und Shisha, während die Damen das Abendessen zubereiten würden. Dies wurde natürlich auch in Tat umgesetzt und nach getaner „Arbeit“ mit viel Action wurde uns ein ausgezeichnetes Abendessen serviert. Wir erzählten unseren Gastgebern, dass wir als nächstes Teheran anschauen möchten, worauf sie meinten wir sollten doch mit Ihnen dorthin fahren, um ihre Familien zu besuchen. Im Iran ist es üblich, dass betuchtere Bürger neben dem Eigenheim ein Wochenendhaus haben. Jenes in Jalous war also nur die für Ferien gedacht und zu unserem Glück kam diese Familie direkt aus der Hauptstadt. Durch unsere etwas planlose Reise durch den Iran willigten wir ein und nach einer angenehmen Nacht bei King Amir ging es am nächsten Morgen weiter Richtung Teheran.

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Amin bei der Zubereitung
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Tee und Shisha

Die Weiterfahrt stellte sich als etwas mühsam heraus, denn unser Gastgeber hielt etwa alle halbe Stunde an, um entweder Plätze zu tauschen oder etwas von den zahlreichen Strassenverkäufern, welche teilweise mitten auf der Strasse standen, zu kaufen.

Hierbei muss jedoch noch etwas gesagt werden…

Nach etwa zwei Stunden hielten wir erneut an, aber diesmal um einen Onkel und dessen Familie zu besuchen. Dort wurde wieder einmal grosszügig aufgetischt und herzhaft über unser bescheuertes blondes Haar gelacht. Wir waren natürlich schon etwas unter Strom und dachten wir würden direkten Weges nach Teheran, aber in dieser und in vielen anderen Hinsichten muss man Iraner einfach nicht verstehen. Schlussendlich fuhren wir am sechs Uhr Abends, zusätzlich mit Onkel und Familie, endlich Richtung Hauptstadt, was sich natürlich nicht als besonders schlau herausstellte, denn es führen nur wenige Strassen, wenn nicht sogar nur eine durch das Elburg-Gebirge, und diese ist natürlich abends (wieso auch immer) höchst kriminell und am meisten befahren. Jedoch ist die Strasse nur einspurig und wie ein Nadelöhr für den Nord-Südverkehr. Da vom Süden kaum ein Fahrzeug über das Gebirge kommt wird die Gegenfahrbahn gut und gern auch als zweite Spur genutzt und auch in Kurven, bei welchen überhaupt keine Übersicht herrscht, wird munter mit hohen Geschwindigkeiten und gestörten Manövern überholt. Wenn man Glück hat, bekommt man vom Vordermann noch ein Handzeichen für herannahenden Gegenverkehr. Nach etwa vier Stunden Fahrt, davon mindestens eine Stunde Stau, kamen wir dann endlich in Teheran beim dritten Teil der Verwandschaft an. Was uns dort erwartete liess uns das Blut in den Adern gefrieren….

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Tratsch-Runde um die beiden frischgeborenen Zwillinge
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Super-Daddy Amin
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Iranische Gastfreundschaft

Ein Gedanke zu „Tag 21 + 22 (06.08. + 07.08.2015) – Wir lieben den Iran, und der Iran liebt uns…“

  1. Euer reisebericht liest sich wie ein karl may.spannend . Ihr zzeigt uns die menschen jenseits der tagesschau und weltpolitik. Weiterhin eine gute reise. Moni und gerd

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