Tag 23 – 25 (08.08. – 10.08.2015) – Wir lieben den Iran, und der Iran liebt uns

King Amir of Persia (Part 2)

… Nein, natürlich nicht! 😀 Es erwartete uns eine prunkvolle, teheranische Grossfamilienwohnung und viele neue Freunde und Verwandte, die mit einer ausgiebigen Mahlzeit bis um zwei Uhr nachts auf uns warteten. So lernten wir den ganzen Rest von Amir’s Familie samt Vater und Mutter kennen. Der Vater gehört definitiv zur Oberschicht des Irans. Er besitzt drei Wohnungen, ein Fliessengeschäft und hat die im Iran übliche und ehrwürdige Anrede „Haj“ (auf Deutsch: Sir). Diesen erlangt man im hohen Alter und man muss unter anderen schon mal die heilige Pilgerstätte Mekka besucht haben. Er und Haj Asghar, bei dem wir zum Mittagessen eingeladen waren, waren übrigens im zweiten Golfkrieg gegen den Irak an der Front und Soldaten aus jenem brutalen Krieg werden im Iran überaus verehrt. Die Kinder von ihnen und deren Verwandten waren zudem alle in unserem Alter und wir freundeten uns schnell an. Eine von jenen belegte an der Universität zudem das Fach Deutsch und sie freute sich sehr, dass dieses mal endlich Anwendung findet. So zeigten Sie uns am nächsten Tag Teheran und im Gegenzug schrieben wir Ihren Deutsch-Vortrag über klassisch deutsche Musik. Teheran gehört mit 15 Millionen (inkl. Agglomeration) zu den grössten Städten der Welt und hat den gleichen Co2-Ausstoss wie ganz Deutschland. Dementsprechend überlastet ist die Stadt dann auch. Riesige und mehrspurige Autostrassen führen in die Stadt und der öffentliche Verkehr ist praktisch Inexistenz.

Als erstes besuchten wir den riesigen Bazar im alten Teheran, bei welchem es definitiv nichts gibt, was man nicht kaufen kann. Wir besuchten eine traditionelle Teppich-Weberei, in der wir dann auch einen kleinen handgemachten Perserteppich kauften. Haj Abolfaz besitzt im übrigen einen, welcher während zwei Jahren von 10 Arbeitern aus Seide gewebt wurde. Danach ging es zum Touri-Klassiker, dem prunkvollen Schah-Palast. Letztes Ziel war im Anschluss der Mihlad Funk-Turm welcher mit knapp 500m über Teheran ragt. Dieses war wohl das eindrücklichste Erlebnis, denn von dort oben nimmt man erstmals die Dimension eines solchen Metropols wahr.

DSC00687 Kopie
Gabriel vor dem Mihlad Tower
DSC00659 Kopie
Blick vom Mihlad Tower in Teheran
DSC00683
Sonnenuntergang in Teheran

Am Abend waren wir wieder bei Haj Asghar eingeladen, bei welchem wir seine Familie und das gute Essen noch einmal geniessen konnten. Am Anfang waren wir uns unserem Status gar nicht wirklich bewusst, aber als Schweizer die den Iran alleine bereisen, bekamen wir einen riesigen Respekt entgegengebracht. Iraner sind der festen Auffassung, dass die westliche Welt sie als Terroristen und Salafisten anschaut, was natürlich absoluter Unsinn ist. Zudem ist es für sie eine Ehre, europäische Gäste aufzunehmen. Dies wurde zeitweilig auch ein bisschen unangenehm, denn beide Familien buhlten um unsere Gunst und wollten uns zum Übernachten bei sich haben. Fairerweise entschieden wir uns dann für Amir, welcher uns dazumal in Jalous aufgegabelt hatte.

Da Amirs Familie so etwas wie Quartierbosse sind, öffnete um 1 Uhr, als wir von Haj Asghar zurückkamen, extra der Tabakladen, die Metzgerei, der Getränkeshop und die Shishabar für King Amir höchstpersönlich. Nach den getätigten Kommissionen ging es in Amirs Wohnung und drei seiner Freunde kamen auch mit. Wir schauten das Hochzeitsvideo von Amir, tranken Vodka und rauchten Shisha und Pfeife und es wurde feuchtfröhlicher. Das Ganze zog sich bis um halb 5 Uhr in die Länge und war wahrscheinlich der Beste Abend der bisherigen Reise. Die Sprachblockade konnten wir relativ gut umschiffen, denn oftmals kommt man mit Händen und Füssen weiter als man denkt.

DSC00707
Party im Iran – Stets hinter verborgenen Türen

Etwas verkatert mussten wir bereits um 9 Uhr aufstehen, da wir ins Zentrum des Irans nach Isfahan fuhren. Natürlich konnte man uns Gäste nicht alleine gehen lassen und das Familienoberhaupt persönlich liess geschäftliches sausen und kam mit Frau und unseren Teheran-Guides mit. Eins haben wir ja bereits gelernt, im Iran fährt man nicht einfach normal und zielstrebig von A nach B. Hier wird alle fünfzig kilometer Rast gemacht und gegessen. So hat sich Amirs Mutter bereits den ganzen Morgen in die Küche gestellt um zwei richtige Mahlzeiten und 3 Snacks vorzubereiten. Zusätzlich wurden unsere Kleider und unser Auto gewaschen.

Mit diesen Reisetugenden erreichten wir Isfahan letztendlich erst um 23 Uhr und wir wurden in einer Schulanlage untergebracht. Spielte auch keine Rolle, denn im Iran schläft man sowieso immer nur auf dem Teppich. Am nächsten Tag besuchten wir die kulturell wohl schönste Stadt und machten alle berühmten Touristenattraktionen durch. Am Abend ging es wieder zurück ins 5 Stunden weitergelegene Teheran wo unsere letzte Nacht bei der Familie anstand. Wie zu erwarten, empfingen uns vor Ort noch einmal alle Verwandten und Bekannten der Familie und es wurde noch ein letztes Mal verabschiedet. Obwohl sie uns während vier Tagen den Hof machten und alles für unser Wohlbefinden unternahmen, freuten sie sich wie Geburtstag und Weinachten zusammen über ein Geschenk, welches wir in Isfahan gekauft hatten. Und obwohl es nur wenige Tage waren, welche wir bei der Familie verbracht hatten, haben wir die ganze Verwandschaft ziemlich gerne bekommen, wodurch uns auch der Abschied umso schwieriger fiel. Eventuell werden uns Amir und seine Frau in den nächsten Jahren mal besuchen, was mit unserer Hilfe aus der Schweiz gelingen könnte.

Am nächsten Tag wurden wir Proviant-technisch nochmals bis unters Autodach ausgerüstet und Amir und Amin begleiteten uns aus dem Moloch Teheran in Richtung turkmenische Grenze.

Mittlerweile sind wir immer noch in Kontakt mit der Familie und probieren diesen möglichst lange aufrecht zu erhalten.

DSC00694

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.