Tag 34 – 39 (17.08 – 21.08.2015) – Usbekistan

Usbekistan können wir relativ schnell abhandeln. Wir waren rund fünf Tage im Land und zwei davon mussten wir für die Reparatur des vorderen Stossdämpfers in Xiva hergeben. Ansonsten gab uns das Land nicht wirklich viele neue Inputs, ohne es somit schmälern zu wollen. Doch hierbei trotzdem einige Erlebnisse:

Usbekistan ist zwar ein Land, in welchem man im Vergleich zum Iran und Turkmenistan mit weniger Widrigkeiten und Auflagen konfrontiert wird, trotzdem aber einige bizarre Dinge geschehen.

Guest-House in Xiva
Guest-House in Xiva

Angefangen mit dem Treibstoff. Benzin ist nämlich hier Mangelware, hier fahren 95% mit Gas. Apropos mit Gas fahren: Die Schweiz ist im Vergleich zu all diesen Ländern ein absolutes Entwicklungsland was diesen Treibstoff angeht. Trotzdem hat Usbekistan praktisch alle 2 km eine Tankstelle, die angeblich Benzin feil haben soll. Aber auch wieder zu 95% ist dann Fehlanzeige. Wenn man dann endlich eine gefunden hat, ist der Andrang auch dementsprechend. Unsere Kollegen aus Zürich durften am vorhergehenden Tag 4.5 Stunden auf Sprit warten. Wir probierten es deshalb erst über den Schwarzmarkt und fanden dann bei diesem Gedanken einen Reiseführer aus Buchara, der uns versicherte, dass er Benzin auftreiben könne. Dies war dann doch einfacher als gesagt, wobei wir wieder bei der genannten Tankstelle der Zürcher landeten. Doch glücklicherweise hatten wir den jungen Usbeken mit den fortgeschrittenen französisch-Kenntnissen dabei. Durch ihn lernten wir auch gerade eine neue Job-Gattung an. Um einigen Ungeduldigen das Warten zu ersparen, gibt es hier Männer, die tagtäglich anstehen und immer wieder ihr Auto mit Benzin auftanken. Kanister werden nämlich nicht gefüllt. So organsierte uns unser Freund genau so ein Tank-Profi, der dann mit uns etwas abseits der Tankstelle das Benzin von seinem Auto in unsere beiden Benzinkanister ableitete. Natürlich mit etwas Mehrkosten verbunden. 40 Liter Benzin gabs für 45 Dollar. Bis an die tadschikische Grenze reichte dies glücklicherweise.

Schlange vor der Benzin-Tankstelle
Schlange vor der Benzin-Tankstelle

Weiter kamen unsere blonden Haare endlich, endlich ab. Was anfangs sehr ulkig war, erwies sich spätestens in den exotischeren Staaten als fataler Fehler. Man war praktisch zum Abschuss freigegeben für Bazar-Verkäufer und iranische Touri-Foto-Geier. Dies verbesserte unsere Lage im Übrigen enorm. Den Millimeterschnitt vollstreckten wir allerdings in einem kleinen Damensalon mitten in der Altstadt von Xiva, was für alle drei dann auch locker 2 Stunden dauerte. Denn ein Rasierer war nicht vorhanden. Kostenpunkt: 9 Dollar für alle drei. Wobei wir beim Geld wären. Spätestens nach dem Iran, in welchem 1 Dollar 32’000 Lira sind und die grösste Note 500’000 war, schockte uns nichts mehr. Dachten wir: Denn in Usbekistan ist 1 Dollar 4500 und die grösste Note 5000. Also etwas mehr als einen Dollar. Jedoch ist das für die meisten Usbekischen Läden dann doch schon etwas hoch, wobei sie nur 1000er besitzen. So ist der Usbeke also die längste Zeit während seines Einkaufstripp damit beschäftigt, Geld zu zählen. Und dementsprechend führt Jedermann auch einen riesigen Bündel Geldscheine mit sich mit.

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Coiffeur-Termin in Xiva

Weiter lustig der Zollübertritt: Mittlerweile sind wir darin ja fast schon Routiniers, denken wir zumindest vor jedem Antritt. Denn meistens wird man immer wieder aufs Neue überrascht. Bringt einen zwar nicht um, ist aber oftmals anstrengend. Mit gutem Gefühl verließen wir also den Polizei-Staat Turkmenistan und freuten uns auf etwas gesittetere Abläufe. Hier muss man sich in jenen Ländern immer einen Postenlauf vorstellen, in welchen man sich verschiedene Versicherungen, Stempel und Dokumente ergattern muss. Auch ist hier kein Andrang oder dergleichen zu erwarten. Oftmals ist man einziger Grenzgänger, was dann aber trotzdem nicht heisst, dass es zügig von statten geht. Im Gegenteil. Oft sieht man die Zöllner Clash of Clans auf dem Smart Phone spielen, oder wie sie sich eine DVD ansehen, was für sie natürlich absolute priorität hat. Die Einreise war mit 3 Stunden so ziemlich klassisch. Die Ausreise hatte es jedoch in sich. Hier wieder eine uns neu bekannte Spezies an Zollbeamten. Der Porno-Schnüffler. Da Samuel für das ganze Foto-Video-Text-Internet-Geplänkel zuständig ist, war er gefundenes Fressen für diese Berufsgattung. Mit Laptop, Harddisk, Kamera und Smartphone musste er antraben. Wer nun denkt, dass ein solcher Spezialist doch sicherlich mit allen Variationen und Kniffs rund ums IT-Business vertraut ist, liegt komplett falsch. Man musste dem Herr so ziemlich bei jedem Schritt auf die Sprünge helfen. Er gab dann nur im Suchfeld Wörter wie „Porn“, „Sex“ oder „Fuck“ ein. Jeder Song oder was auch immer darauf ansprach wurde dann durchgehört oder angeschaut. Zusätzlich hatte er alle Bilder durchgeschaut, was nach einem Jahr Gestaltungsschule doch eine beträchtliche Anzahl darstellte. Leider ohne Erfolg. Für ihn war nach 45 Minuten dann endlich Schluss. Busse wäre übrigens bei 1000 Dollar gewesen.

Usbekistan ist durch die gut erhaltene Kultur aus der Perserzeit ein gut bereistes Land. Das persische Reich reichte dazumal bis weit nach Zentralasien. Xiva, Buchara und Samarkand liegen alle an der berühmten Seidenstrasse und weisen gemäss Reiseführer den besten Zustand aus dieser Epoche auf. Da wir uns im Vorfeld allerdings überhaupt nicht mit diesen Pilger-Stätten beschäftigten, schnitten wir diesen Teil nur am Rande an. Landschaftlich gab unsere Route überhaupt nichts her: Alles Flach, viele Büsche und Baumwoll-Felder und noch mehr Agrikultur-Fläche. Jedoch erreichten wir unseren absoluten Topwert was die Temperatur angeht. In der Steppe zwischen Xiva und Buchara knackten wir die 50°C-Grenze. Ist allerdings weniger schlimm, als man sich das in der Schweiz vorzustellen vermag. Die Hitze ist furztrocken und weißt praktische keine Feuchtigkeit auf.

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Buchara

Die Menschen sind auch hierzulande sehr freundlich, jedoch auch sehr zurückhaltend. Man muss sie als Tourist meist von sich aus ansprechen um sie aus dem Busch zu holen. Dann jedoch laden sie einen gerne ein, sind sehr neugierig und freuen sich über die Anwesenheit.

Das war Usbekistan!

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