Tag 42 – 48 (28.08 – 02.09.2015) – Kirgistan

Da unser Supermobil durch unseren undichten Kühlwasserbehälter schon öfters zu heiss bekommen hatte, schien die Fahrt hier zu Ende zu sein. Auf Jeden Fall sprudelte ein mächtiger Wasservulkan aus dem Behälter sobald man den Motor startete. Diagnose: Zylinderkopfdichtung defekt.

Wir versuchten auf diverse Art und Weise dieses Problem in den Griff zu bekommen, jedoch ohne Erfolg. Somit waren wir gezwungen die 2. Nacht auf über 4000m zu verbringen. Etwas unangenehm bei eisigem Wind und Temperaturen unter Null, aber eine andere Möglichkeit gab es nicht.

Am nächsten morgen hielt ein Autofahrer und versprach uns in die nächst grössere Stadt Osh zu ziehen. Von unserem damaligen Standort entsprach das etwa 300km. Wir einigten uns mit 120 Dollar und der gute Mann fuhr los. Durch die vielen Passagiere in seinem Land Rover war er anscheinend etwas unter Zeitdruck und so beschleunigte er bei dürftiger Fahrbahn auf gute 100km/h, bei einem Abschleppseil von weniger als drei Metern Länge. Ich war wohl der, welcher am meisten geschwitzt hat in dieser Zeit. Der Spuk nahm jedoch nach 35 Kilometern ein Ende. Anscheinend war den Fahrgästen nicht sehr behaglich mit einem Panda im Schlepptau und der Fahrer gab uns 100 Dollar zurück, koppelte das Seil ab und verschwand.

Erneut wurde fieberhaft nach einer Abschleppmöglichkeit gesucht und versucht den Schaden mit einem Zylinderkopf-Likör zu beheben. Nach manchen Stunden mit warten verbringend, fanden wir endlich ein Tajik, welcher uns für 300 Dollar in das erste Städtchen nach der kirgisischen Grenze ziehen würde. Gesagt, getan.

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Kinder beim Issyk Kul See
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Kinder beim Issyk Kul See
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Issyk Kul

Nach einer langwierigen Abschlepperei durch die aufgespülte und schlaglochbesetzte Fahrbahn kamen wir endlich in Sari-Taš an. Unser Schlepper hatte uns nun ganze 100 Kilometer durch das Gebirge Tajikistans und Kirgisistans gezogen. Wobei der Grenzübertritt für ihn wohl eher etwas unglücklich verlaufen ist. Wir als Schweizer hatten wohl die Sympathie des Zöllners auf sicher, aber unser Tajikischer Freund war ziemlich nervös, vielleicht auch weil es zwischen den Grenzposten der zwei Staaten schön öfters zu Schiessereien kam. Auf jeden Fall musste er dem geschätzten Zollbeamten mit 100 Dollar schmieren, um 2 mal die Grenze überschreiten zu dürfen, was natürlich in unserem Preis inbegriffen war. Nun verstanden wir auch warum uns der Spass für Tajikische Verhältnisse so teuer zu stehen kam.

Auf jeden Fall waren wir froh in einem noch so kleinen Dorf Unterschlupf in einem „Hotel“ gefunden zu haben und fielen bald in einen tiefen Schlaf.

Am frühen morgen starteten wir den Panda wieder zum ersten mal und hofften, dass die mit Flüssigkeit „reparierte“ Zylinderkopfdichtung uns bis nach Osh bringen würde, um dort die Sache professionell fixen zu können. Optimistisch fuhren wir also in genannte Richtung und liessen die letzten Tage revue passieren. Leider kamen wir nur etwa 3 Kilometer weit und unser gelbes Wunder kam wieder zum stehen. Der Motor lief zwar noch, aber die gesamten Abgase kamen jetzt anstatt aus dem Auspuff aus dem Kühlwasserbehälter. Wir wussten, dass jetzt definitiv die Zeit für einen Garagenaufenthalt gekommen war und machten uns wieder auf um verbeifahrende Autos als Abschlepper zu rekrutieren.

Nach dem 5. Auto hielt bereits ein 8-Plätzer, welcher wohl mit mindestens 15 Personen besetzt war und willigte für 100 Dollar ein uns nach Osh (also 200 Kilometer weiter) zu ziehen.

Überglücklich liessen wir Sari-Taš hinter uns, und nach etwa 3 Stunden herumeiern, erreichten wir eine mit etwa 3000 Hüüzergaragen besetzte Stadt.

Apschleppdienst durch Kirgistan
Apschleppdienst durch Kirgistan
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Kinder an der tadschikischen Grenze

Glücklicherweise erhielten wir unterwegs einen Kontakt eines Schweizer Töffmechanikers, welcher uns zu einer guten Garage weitervermittelte. Dieser nahm sich unserer heruntergekommenen Biene an und schnitzte ihr eine neue Zylinderkopfdichtung. Leider hatte der Pamir unserem Motor mehr Schäden zugefügt als vorerst vermutet, doch dazu später.

Durch die langwierige Reparatur konnten wir endlich wieder mal ein wenig ausspannen und die wärmeren Temperaturen in tieferen Höhenlagen geniessen. Wir gönnten uns ein gutes Guest-House und am Abend gabs ein ausgewogenes Essen mit gutem Budweiser Bier.

Tags darauf konnten wir bereits in der Mechanikerbude antraben und das Werk unseres Retters betrachten und ausprobieren. Leider war das Resultat nicht zufriedenstellend, denn der Motor lief ziemlich unrund, jedoch aufgrund unserer stupiden Idee mit dem Panda den Pamir bezwingen zu wollen. Wie bereits erwähnt, hatte sich durch die enorme Hitze so einiges im Motor verzogen, wobei man hier von Glück reden konnte, dass der Panda überhaupt noch lief und er nicht ein kompletter Motorschaden erlitt und somit unser Abenteuer beendet hätte.

Mit gemischten Gefühlen brachen wir also am nächsten morgen Richtung Bischkek auf. Der Panda leistete soweit seine Dienste und wir konnten die Landschaft in vollen Zügen geniessen. Seen und Flüsse, welche sich in den Tälern der schneebedeckten Gebirgszüge entlangschlängelten und die wenigen Wolken wiederspiegelten, Strassen welche uns ohne ein einziges Schlagloch durch die Berge führten, Wälder mit herbstlich, langsam bunt werdenden Laubbäumen, erinnerten zum verwechseln an die gute alte Schweiz. Dies war sicherlich Grund weshalb wir auch noch vor Bishkek unser Schlaflager neben einem Bergbach aufschlugen um die prachtvolle Natur zu geniessen. Hausgemachte Potatoes und Maissalat mit Gurken und Tomaten von Chefkoch Samuel rundeten den Tag perfekt ab und wiedermal ging es, diesmal mit rauschendem Bergbachsound im Ohr, zu Bett.

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Die wunderschöne Natur von Kirgistan
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Manas, der kirgisische Volksheld
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Selfmade Patatoes! regulärer PandaRiders Speiseplan: Vorspeise ist immer eine Suppe oder Boullion aus der Schweiz. Hauptspeise: – Pasta mit Tomaten-oder anderen Sauce. – Reis mit Gemüse – Schweizer Rösti und Spiegeleier. Zum Frühstück gibt es stets Milchreis mit Sirup und Zimtzucker.
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Nachtlager am GletscherBach
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Gletscherbach in Kirgistan

Die Landschaft flachte Tags darauf langsam ab und um die Mittagszeit herum kamen wir in Bischkek an. Hier fanden wir in einer Biker-Bude Unterschlupf. Empfohlen wurde uns diese von Stas, welcher uns schon in Osh freundlich empfangen hatte. Ein drahtiger 22-jähriger mit Hipsterfrisur empfing uns und begleite uns zu einer alten Blocksteinhütte, in welcher wir übernachten konnten. Die Fenster waren teils behelfsmäßig mit Plastikfolien repariert und auch sonst war die Bude dürftig ausgestattet. Mit Bar und Innenhof ergab das Gesamtpaket jedoch nichts-desto-trotz ein reizendes Ambiente.

In Bischkek wollten wir eigentlich ein paar secondhand Militärjacken aus Sowjet-Zeiten für 2 oder 3 Dollar abstauben. Wir bekamen diesen Insidertipp von zwei Polen, welche wir in unserer Zylinderkopfmisere 50km vor der Kirgisischen Grenze in einer Jurte kennengelernt hatten. Diese waren per Anhalter unterwegs und hatten schon das eine oder andere mal in Kirgisistan Skiferien gemacht. Anyway.

Wir schilderten also dem Biker-Hipster unser Anliegen und am nächsten Morgen sprangen wir mit ihm in einen Bus und ab gings Richtung Bazar. Übrigens: Das Bussystem funktioniert hier etwas anders als in der Schweiz. In der ganzen Stadt fahren etwa 3000 (k.A. aber Unmengen) Busse, bzw. grössere Büssli herum, die an der Frontscheibe eine dreistellige Zahl befestigt haben, welche die Fahrtrichtung bestimmt. Von der Anzahl der Personen gibt es wie so oft in diesen Ländern keine Begrenzung, wenn man also schon an der Frontscheibe klebt, spielt das überhaupt keine Rolle. Nur wird es bei so einem gewurschtel schon schwieriger die Kasse, welche zum bezahlen herumgereicht wird, weiterzugeben. Diese ist ausserdem offen und jeder der Lust hat kann Zahlen oder auch Geld entwenden, was aber wohl glücklicherweise nicht der Fall ist.

Im Bazar angekommen ging es von Container zu Container um an unsere Jacken zu kommen. Ein Container entspricht übrigens einem „Laden“ und es stehen Unmengen davon in Reih und Glied.

Zu unserer Entäuschung kamen wir jedoch nicht in der Winterzeit, und es gab nur Neuware zum Verkauf. Eine normale Jacke tat es dann für ein paar Dollar ebenso, womit wir uns dann auch, zum Unglück unseres Begleiters, etwas spät auf den Heimweg machten. Dieser hätte nämlich, zu unserem Unwissen, um 1 Uhr ein Vorstellungsgespräch gehabt, was er wegen uns sausen Lassen musste bzw. erst um 2 Uhr dort antrabte. Dies hatte wohl negative Folgen, denn als er gegen Abend zurück in die Bar kam hatte er eher eine grimmige Schnute aufgesetzt.

Für uns ging es nach einem Gute-Nacht-Bier schnell mal in die Heia, um am nächsten Tag fit für den Grenzübertritt nach Kasachstan zu sein.

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