Tag 40 (22.08.2015) – Fix your Car

Fix your Car with timber and racetape and cross the border to Tajikistan – Check!
Leider ist das eingetroffen was wir immer befürchtet, aber stets verdrängt haben. Aufgrund der schlechten Strassen und des Übergewichts sind beide Blattfedern in Usbekistan gebrochen.
Da wir mitten in der Steppe waren mussten wir improvisieren und schlugen mit unserem Beil einen Holzbalken kurz und klein und fixierten ihn mit Betonklebeband. Auf primitive und wackelige Art und Weise ging es weiter.

Ein älterer Herr muss sich das Ganze dann doch noch genauer ansehen.
Ein älterer Herr muss sich das Ganze dann doch noch genauer ansehen.

Eine Federung gab es keine mehr und unser Rückgrat machte über 150 km einen Horrortrip durch. Nun sind wir in Dushanbe und haben den Panda in die Werkstatt gebracht. Und man mag es nicht glauben, aber hier wird einem alles geflickt! Dies gehört zum Berufsstolz hier. Der Chef ging also heute morgen auf den Auto-Friedhof und montierte aus irgendeinem Chlapf die Blattfedern aus und stutze sie auf unsere Grösse zusammen. So machten sich heute 4 Mechaniker an unser Auto und flickten es während 6 vollen Stunden. Dies alles für 107 Dollar…

Garage in Dushanbe, Tadschikistan
Garage in Dushanbe, Tadschikistan

Tag 34 – 39 (17.08 – 21.08.2015) – Usbekistan

Usbekistan können wir relativ schnell abhandeln. Wir waren rund fünf Tage im Land und zwei davon mussten wir für die Reparatur des vorderen Stossdämpfers in Xiva hergeben. Ansonsten gab uns das Land nicht wirklich viele neue Inputs, ohne es somit schmälern zu wollen. Doch hierbei trotzdem einige Erlebnisse:

Usbekistan ist zwar ein Land, in welchem man im Vergleich zum Iran und Turkmenistan mit weniger Widrigkeiten und Auflagen konfrontiert wird, trotzdem aber einige bizarre Dinge geschehen.

Guest-House in Xiva
Guest-House in Xiva

Angefangen mit dem Treibstoff. Benzin ist nämlich hier Mangelware, hier fahren 95% mit Gas. Apropos mit Gas fahren: Die Schweiz ist im Vergleich zu all diesen Ländern ein absolutes Entwicklungsland was diesen Treibstoff angeht. Trotzdem hat Usbekistan praktisch alle 2 km eine Tankstelle, die angeblich Benzin feil haben soll. Aber auch wieder zu 95% ist dann Fehlanzeige. Wenn man dann endlich eine gefunden hat, ist der Andrang auch dementsprechend. Unsere Kollegen aus Zürich durften am vorhergehenden Tag 4.5 Stunden auf Sprit warten. Wir probierten es deshalb erst über den Schwarzmarkt und fanden dann bei diesem Gedanken einen Reiseführer aus Buchara, der uns versicherte, dass er Benzin auftreiben könne. Dies war dann doch einfacher als gesagt, wobei wir wieder bei der genannten Tankstelle der Zürcher landeten. Doch glücklicherweise hatten wir den jungen Usbeken mit den fortgeschrittenen französisch-Kenntnissen dabei. Durch ihn lernten wir auch gerade eine neue Job-Gattung an. Um einigen Ungeduldigen das Warten zu ersparen, gibt es hier Männer, die tagtäglich anstehen und immer wieder ihr Auto mit Benzin auftanken. Kanister werden nämlich nicht gefüllt. So organsierte uns unser Freund genau so ein Tank-Profi, der dann mit uns etwas abseits der Tankstelle das Benzin von seinem Auto in unsere beiden Benzinkanister ableitete. Natürlich mit etwas Mehrkosten verbunden. 40 Liter Benzin gabs für 45 Dollar. Bis an die tadschikische Grenze reichte dies glücklicherweise.

Schlange vor der Benzin-Tankstelle
Schlange vor der Benzin-Tankstelle

Weiter kamen unsere blonden Haare endlich, endlich ab. Was anfangs sehr ulkig war, erwies sich spätestens in den exotischeren Staaten als fataler Fehler. Man war praktisch zum Abschuss freigegeben für Bazar-Verkäufer und iranische Touri-Foto-Geier. Dies verbesserte unsere Lage im Übrigen enorm. Den Millimeterschnitt vollstreckten wir allerdings in einem kleinen Damensalon mitten in der Altstadt von Xiva, was für alle drei dann auch locker 2 Stunden dauerte. Denn ein Rasierer war nicht vorhanden. Kostenpunkt: 9 Dollar für alle drei. Wobei wir beim Geld wären. Spätestens nach dem Iran, in welchem 1 Dollar 32’000 Lira sind und die grösste Note 500’000 war, schockte uns nichts mehr. Dachten wir: Denn in Usbekistan ist 1 Dollar 4500 und die grösste Note 5000. Also etwas mehr als einen Dollar. Jedoch ist das für die meisten Usbekischen Läden dann doch schon etwas hoch, wobei sie nur 1000er besitzen. So ist der Usbeke also die längste Zeit während seines Einkaufstripp damit beschäftigt, Geld zu zählen. Und dementsprechend führt Jedermann auch einen riesigen Bündel Geldscheine mit sich mit.

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Coiffeur-Termin in Xiva

Weiter lustig der Zollübertritt: Mittlerweile sind wir darin ja fast schon Routiniers, denken wir zumindest vor jedem Antritt. Denn meistens wird man immer wieder aufs Neue überrascht. Bringt einen zwar nicht um, ist aber oftmals anstrengend. Mit gutem Gefühl verließen wir also den Polizei-Staat Turkmenistan und freuten uns auf etwas gesittetere Abläufe. Hier muss man sich in jenen Ländern immer einen Postenlauf vorstellen, in welchen man sich verschiedene Versicherungen, Stempel und Dokumente ergattern muss. Auch ist hier kein Andrang oder dergleichen zu erwarten. Oftmals ist man einziger Grenzgänger, was dann aber trotzdem nicht heisst, dass es zügig von statten geht. Im Gegenteil. Oft sieht man die Zöllner Clash of Clans auf dem Smart Phone spielen, oder wie sie sich eine DVD ansehen, was für sie natürlich absolute priorität hat. Die Einreise war mit 3 Stunden so ziemlich klassisch. Die Ausreise hatte es jedoch in sich. Hier wieder eine uns neu bekannte Spezies an Zollbeamten. Der Porno-Schnüffler. Da Samuel für das ganze Foto-Video-Text-Internet-Geplänkel zuständig ist, war er gefundenes Fressen für diese Berufsgattung. Mit Laptop, Harddisk, Kamera und Smartphone musste er antraben. Wer nun denkt, dass ein solcher Spezialist doch sicherlich mit allen Variationen und Kniffs rund ums IT-Business vertraut ist, liegt komplett falsch. Man musste dem Herr so ziemlich bei jedem Schritt auf die Sprünge helfen. Er gab dann nur im Suchfeld Wörter wie „Porn“, „Sex“ oder „Fuck“ ein. Jeder Song oder was auch immer darauf ansprach wurde dann durchgehört oder angeschaut. Zusätzlich hatte er alle Bilder durchgeschaut, was nach einem Jahr Gestaltungsschule doch eine beträchtliche Anzahl darstellte. Leider ohne Erfolg. Für ihn war nach 45 Minuten dann endlich Schluss. Busse wäre übrigens bei 1000 Dollar gewesen.

Usbekistan ist durch die gut erhaltene Kultur aus der Perserzeit ein gut bereistes Land. Das persische Reich reichte dazumal bis weit nach Zentralasien. Xiva, Buchara und Samarkand liegen alle an der berühmten Seidenstrasse und weisen gemäss Reiseführer den besten Zustand aus dieser Epoche auf. Da wir uns im Vorfeld allerdings überhaupt nicht mit diesen Pilger-Stätten beschäftigten, schnitten wir diesen Teil nur am Rande an. Landschaftlich gab unsere Route überhaupt nichts her: Alles Flach, viele Büsche und Baumwoll-Felder und noch mehr Agrikultur-Fläche. Jedoch erreichten wir unseren absoluten Topwert was die Temperatur angeht. In der Steppe zwischen Xiva und Buchara knackten wir die 50°C-Grenze. Ist allerdings weniger schlimm, als man sich das in der Schweiz vorzustellen vermag. Die Hitze ist furztrocken und weißt praktische keine Feuchtigkeit auf.

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Buchara

Die Menschen sind auch hierzulande sehr freundlich, jedoch auch sehr zurückhaltend. Man muss sie als Tourist meist von sich aus ansprechen um sie aus dem Busch zu holen. Dann jedoch laden sie einen gerne ein, sind sehr neugierig und freuen sich über die Anwesenheit.

Das war Usbekistan!

Tag 32 + 33 (15.08.2015 – 16.08.2015) – Turkmenistan, Usbekistan

Doch es ging weiter mit frischem Elan

Da die Visa der beiden anderen Teams heute ausliefen, mussten wir uns nach zwei Tagen wieder trennen. Wir machten uns stattdessen einen gemütlichen Tag im Freien rund 10km vor der usbekischen Grenze und genossen nach langen Fahrten wiedermal einen Freitag.

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Wasseraufbereitung

An Tag 5 in Turkmenistan und somit dem Letzten war das Ziel gesetzt, den Grenzübertritt möglichst schadlos zu überstehen. Denn dieser war gemäss Infos ähnlich wenn nicht schlimmer als der bei der Einreise. Doch dieses Mal fuhren wir eine andere Strategie. Letztes Mal noch höflich, zuvorkommend und in langen Kleidern, probierten wir dieses Mal Variante Asozial. Nach vier Tagen ohne Dusche, in den Trainershort und Bringles-Chips-Büchse in der Hand streckten wir dem Zollbeamten die fettigen Pässe in die Hand. Auf dem Passamt wurden dann Nüsschen geknackt und rumgenörgelt. Zu unserem Glück kam diese Variante den Zollbeamten wohl routiniert rüber und abgesehen von einer Zigarette mussten wir nichts Weiteres abdrücken.

Abschliessend muss man zu Turkmenistan sagen, dass es zwar ein äusserst seltsames Land ist, aber nicht weiter schlimm als Tourist. Abgesehen von der Ein- und Ausreise behandelten uns die Leute mitunter den Polizisten respektvoll und freundlich. Jedoch ist die Bevölkerung um einiges zurückhaltender als die aus dem Nachbarland Iran, was gar nicht mal schlecht war. Zudem ist Turkmenistan aufgrund des enormen Sicherheitsaufgebot und der drastischen Strafen absolut ungefährlich. Trotzdem ist dieses Land unserer Meinung nach keine Reise wert.

Nach dem Grenzübertritt ging es mit Usbekistan in ein weiteres Ex-Sowjet-Land. Über dieses Land waren wir am schlechtesten informiert und wussten kaum, was uns erwartete. Usbekistan ist relativ ruhig und sorgt kaum für Aufsehen im Weltgeschehen. So ziemlich das einzige was wir wussten war, dass Usbekistan die höchste Dichte an Tankstellen ohne Benzin und Diesel hat – ein äusserst toller Rekord wie wir fanden. Da bereits später Nachmittag war, reichte es nur noch bis ins Kulturstädtchen Xiva rund 50km von der Grenze entfernt. Jenes ist das besterhaltene Kulturgut an der Seidenstrasse und die ganze Altstadt ist von hohen Burgmauern umgeben. Direkt vor dieser nahmen wir uns eine Pension, welche oft von Bestreitern der MongolRally benutzt wird.

Tag 27 – 31 (12.08. – 15.06.2015) – Turkmenistan

Turkmenistan – ein Land der Gegensätze

Turkmenistan war eines der Länder, bei dem wir vorgehend eher negative Informationen erhielten. Es wurde uns empfohlen, das Land mit Vorsicht und relativ zügig zu passieren. Turkmenistan ist eine reine Diktatur und das Volk wird zur Aussenwelt praktisch abgesondert. Glaubt man einem Weltwochen-Artikel, ist das Land gemäss dem Zitat: „Nordkorea ist geradezu heiter im Vergleich zu Turkmenistan“, wirklich nicht bereisenswert. Wirklich positiv stimmte uns dies zwar nicht, aber da man Afghanistan und Pakistan wohl lieber auslässt kommt halt dann doch nur Turkmenistan in Frage, insofern man sich für die südliche Route entscheidet. Auch die Erfahrungen im Vorfeld und der Zollübertritt nahmen uns diese Vorurteile nicht wirklich. So bekamen wir beispielsweise höchstens ein 4-tägiges Transit-Visa wobei Einreise-und Ausreisedatum fix bestimmt waren. Wenn man es also nicht an diesem Tag X packt, kann man zurück nach Hause fahren. Das mühselige Zollprozedere hat Roger im vorhergehenden Text bereits geschildert. Auf jeden Fall trifft einen nach dem Grenzübertritt erstmals der Schlag. Man wird nämlich von einer nigel-nagel-neuen 3-spurige Schnellstrasse empfangen. Um 2 Uhr waren wir allerdings die allerersten Touristen des Tages und sozusagen die ersten Benutzer. Danach kommt es noch dicker. Da der Zoll auf einem Berg liegt, fährt man danach hinunter in Richtung Hauptstadt Ashgabat. Bereits nach 20km türmt sich eine komplett in weis gekleidete Stadt auf. Fährt man im Anschluss in die Stadt hinein trifft einen ein Kulturschock sondergleichen. Von eher minder entwickelten iranischen Städten stösst man auf das Wüsten-Bijoux Ashgabat.

Links und rechts der Strassen ragen hohe, prunkvolle, ja fast kitschige Paläste. Einer „schöner“ und extravaganter als der Andere, und alles mit ganz viel Gold bekleckert. Ashgabat ist das Hobby von Diktator Turkmenbashi (der im übrigen dann auch von jedem Gebäude herunterwinkt) und dessen verstorbenem Vaters. Nach einem Erdbeben hat dieser eine komplett neue Stadt aus dem Boden gestampft. Beispielsweise ist im Moment der Bau des neuen Olympia-Stadion in vollem Gange. Kein Mensch weiss, wieso „Olympia-Stadion“, denn eine solche wird es hier in absehbarer Zeit wohl kaum geben und zweitens ist zu erklären, dass das alte Olympia-Stadion erst 2002 errichtet und nun wieder abgerissen wurde. Und wie so oft, wenn eine Stadt auf dem Reisbrett entstanden ist, leidet danach das Stadtleben gewaltig. In Ashgabat ist nicht mal von Stadtleben zu sprechen, denn es ist praktisch Inexistent. Die einzigen, die sich auf den Gehsteigen befinden, sind Polizisten, doch von diesen hat es dann auch genügend. So ist jede Kreuzung in der ganzen Stadt von mindestens einem Polizisten bewacht. Allgemein sind gefühlt zwei Drittel der Turkmenen Polizisten. Zürich oder Luzern sind Moloche und Drecksstädte im Vergleich zu turkmenischen Hauptstadt. Hier sucht man vergeblich nach nur einem kleinen Stück Abfall oder irgendwas, was nicht da sein sollte, wo es ist. Sogar die Ampeln sind verchromt und durchdesignt. Wohl ein Traum für jeden Architekten der hier arbeiten darf. Auch zu erwähnen ist, dass sich die Stadt inmitten von Wüste und Steppe als erstaunlich grüne Oase zeigt. Turkmenistan pumpt das meiste seines Wassergebrauchs vom Aralsee in Usbekistan und Kasachstan ab und zwängt so der Wüste das Grüne auf. Bekanntlich ist der Aralsee aufgrund seines Austrocknens Sinnbild für die Klimaerwärmung. Jein, wie wir nun wissen, denn der Nachbarstaat Turkmenistan trägt einen erheblichen Anteil dazu bei.

Wir fragten uns, wem der liebe Herr Turkmenbashi dies alles zeigen will, denn gegen Touristen wehrt er sich ja vehement und das Volk wird wohl auch minder begeistert sein, indem sie sehen wie ihre Steuergelder verschleudert werden. Wer nämlich nun denkt, Turkmenistan wäre ein Staat der Reichen, liegt 180 Grad falsch. Weiter abseits, in Hütten, haust dann die richtige Bevölkerung von Ashgabat. Auch das Suchen nach einem preiswerten Hotel erwies sich als schwierig, denn das günstigste Hotel für 2 Personen war 50 Dollar, wobei man in der Nacht aufgrund des Gebäudezustandes wohl Todesängste ausstehen muss. So konnten wir nicht anders und gingen für einmal in einen 5-Sterne-Tempel. Einzig gutes in Ashgabat, es gab wiedermal ein kühles und legales Feierabendbier. Stets in Begleitung von Präsident Turkmenbashi, der allgegenwärtig von den Wänden glotzt. Oftmals mussten wir uns ein Lachen verkneiffen, den das Staatsoberhaupt ist ein Meister der Selbstdarstellung und ein Narzisst durch und durch. So sind zum Beispiel sämtliche Jahreskalender ausgerüstet mit Bildern von seiner Wenigkeit. Turkmenbashi beim Pferde reiten, Turkmenbashi beim Jagen, Turkmenbashi mit anderen Staatsoberhäupter oder Turkmenbashi mal ganz volksnah.

Nach einer Nacht im luxuriösen Grand Hotel Turkmen verliessen wir diese bizarre Stadt um die Wüste zu durchqueren. Versorgt mit Kanistern voller Wasser und Benzin wagten wir uns in das klimatisch und topographisch wohl heikelste Gebiet unserer noch jungen Reise. Denn die rund 500km lange Wüste ist frei von Tankstellen und ist nur mit einem kleinen Dörfchen auf halber Strecke bestückt. Auch landschaftlich ändert sich alles relativ schnell. Keine 5km nach Ashgabat werden die Strassen deutlich schlechter, die Vegetation bleibt aus, und der Wohlstand sinkt beträchtlich.

Um so weiter man sich von der Hauptstadt entfernt, desto dürftiger wird die Fahrunterlage und die Schlaglöcher werden zahlreicher und grösser. Das Fahrwerk unseres Pandas hat so auch deutlich gelitten, denn bei der kleinsten Unachtsamkeit trampt man in die Falle.

Umso imposanter war aber die Wüste darum, denn diese steht zumindest optisch in gewissen Abschnitten der Sahara in nichts nach. Auch die freilebenden Kamele und Dromedare passen perfekt in dieses Bild. Der Thermometer kletterte dann auch über die 40°C-Marke hinaus.

 

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Wüste in Turkmenistan
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Wüstenrast in Turkmenistan

Nach der Hauptstadt hat Turkmenistan wohl nur noch eine berühmtere Touristenattraktion, nämlich das „Gate to Hell“ in Derveza. Derveza ist das genannte Dörfchen in der Mitte und das Gate to Hell ein Überbleibsel aus Gasexperimenten. Vor rund 40 Jahren ist russischen Gasforschern hier ein Unglück passiert und aus einem Krater strömte unermüdlich Gas. Um Unfälle zu vermeiden wurde das Gas angezündet und brennt heute noch. Unwahrscheinlich, wenn man sich vorstellt, dass hier bald ein halbes Jahrhundert Tag und Nacht ein ganzer Krater vor sich hin brennt. Das Gate to Hell ist dann aber keineswegs touristisch ausgebaut und eine befahrbare Strasse sucht man vergebens. Als wir nach ein paar Anläufen mit unserem Panda keinen Erfolg verbuchen konnten und uns immer wieder spuhlend in den Sanddünen wiederfanden, fuhr uns ein Jeep aus dem Dorf zum Krater. Als wir bereits in der Dunkelheit dort ankamen, erwartete uns ein riesiger Zufall. Denn zwei weitere Teams der Mongolrally machten auch mitten in der Wüste Rast. Und das Eine war gar ein Schweizer Team aus Zürich und dann erst noch mit einem Fiat Panda. Die Sympathie bestand relativ bald und wir stellten unser Nachtlager bei ihnen auf.

Das Gate to Hell ist nachts einiges spektakulärer anzusehen, denn der Lichtkegel am Horizont sieht man bereits aus weiter Ferne und grelle Flammen lodern in der Dunkelheit. Rund hundert Meter davon entfernt riecht es plötzlich verdächtig nach Gasgrill und warme Luft strömt einem entgegen.

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Das Gate to Hell in der Nacht

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Am nächsten Tag ging es im Konvoi an die zweite Wüsten-Etappe und die Wasser-Reserven schwanden durch den unbändigen Durst in der Nacht beträchtlich. So war der Plan, möglichst rastlos in das ferne Doquez zu kommen. Leider kam es ganz anders. Nach gut 50km erwischten wir wiederholt ein Schlagloch was dann eines Zuviel für unseren Panda war. Plötzlich ging gar nichts mehr und der Motor stellte ab.

Wir habens geschafft – Wir haben den mit Abstand den dümmsten Ort für eine Panne erwischt.

Aber kein Trübsal blasen, denn nun war Mech Gabriel gefragt. Dessen erste Vermutung war alles andere als berauschend. Da nichts mehr surrte, tippte er auf einen Defekt der Benzinpumpe. Also: Tank weg und Benzinpumpe abmontieren – Negativ oder bessergesagt positiv. Denn mit einem solchen Defekt hätten wir 0 Chance gehabt. Bald war der Fehler in der Elektronik festgestellt, doch bis man nun das entsprechende Sündenbock-Kabel gefunden hat, vergeht viel Zeit. Glücklicherweise hatten wir mit Oli aus dem Zürcher Team einen richtigen Panda-Jünger zur Hilfe, dieser besitzt nämlich fünf Fiat Pandas und schwört auch Zuhause in der Schweiz nur auf die hübschen Italiener. Zusammen probierten sie den Fehler zu eruieren, was lange zu keinem Erfolg führte. Erst nach 2 Stunden tüfteln und probieren an der prallen Sonne kam Oli der Gedankenblitz. Ärgerlicherweise war der Fehler simpler als gedacht, denn durch die grosse Erschütterung wurde der Unfallknopf aktiviert, der die ganze Elektronik ausschaltet. Einmal gedrückt und der Panda schnurrte wieder wie ein Kater. Zumindest der Motor, denn der linke vordere Stossdämpfer hatte den Aufprall leider nicht überlebt und mehr schlecht als recht ging es weiter. Doch der Zwischenfall fuhr uns doch sehr ein und wir wussten einmal mehr, wie wichtig es ist, solche Dinge zu vermeiden. Man kann von Glück reden, dass wir gerade in diesem Moment zwei Teams als Hilfe hatten. Auf wackeligen Rädern machten wir weitere 150km bis plötzlich das Spanier-Team stecken blieb. Bei ihnen war auch das Fahrwerk der Schwachpunkt und die hintere Federung ging diesmal in Brüche. Die Wasserreserven waren mittlerweile aufgebraucht und wir mussten erstmals zu unseren Wasser-Reinigungstabletten greifen um abgestandenes Tank-Wasser zu trinken. Da sich der Vorfall wieder in die Länge zog, entschieden wir uns auf Wassersuche zu gehen und fanden bekamen tatsächlich von der berühmt berüchtigten turkmenischen Polizei Hilfe. Und dies gar ohne Gegenleistung. Nach rund einer Stunde ging es weiter obwohl es bereits zu dämmern begann. Das Tempo wurde angesichts der Ereignisse deutlich gedrosselt und wir tuckerten mit einem Schnitt von 25 km/h bis tief in die Nacht hinein in Richtung Zivilisation. Obwohl zu sagen ist, dass auch nicht viel mehr drin gelegen wäre, denn diese Unterlage hatte den Namen Strasse definitiv nicht verdient. Jedoch ist dies die einzige Strasse in Turkmenistan durch die Wüste und sozusagen die Nord-Süd-Achse. Aber Turkmenbashi fliegt ja lieber Helikopter und braucht nur in seinem Ashgabat leere mehrspurige Strassen mit Flüsterasphalt. Soviel zu den Gegensätzen in diesem Land.

Nach einem langen und nervenaufwühlenden Tag schlugen wir unsere Zelte auf. Nicht der beste Tag an der Rally.

Meine Erlebnisse beim Grenzübertritt Iran – Turkmenistan

Die Ausreise aus dem Iran gestaltet sich als ziemlich einfach. Samuel und ich mussten lediglich einen Beamten namens Mr. Iri finden. Nach einer kurzen Suche durch zig Büros haben wir ihn gefunden. Kaum zu glauben, aber 20 Minuten später waren wir schon aus dem Land ausgereist.

Nun ging es auf zur Grenze Turkmenistan 100 Meter weiter.

Da wir leider kurz nach 11 Uhr an der Grenze ankamen, wurden wir zum warten verdammt. Als die Beamten um 13:30 ihr ausgiebiges Mittagsmahl beendet hatten, deponierten wir unsere Pässe auf dem Stapel. Als die Uhr zwei geschlagen hatte, trennten sich unsere Wege, während Samuel und Gabriel durch die kurze Personenkontrolle gingen durfte ich mich als Fahrzeughalter des Pandas auf eine mühsame Kontrolle einstellen. Kurz erklärt: ich benötigte nur sechs Stempel mit Unterschriften und musste die anschliessende obligatorische Fahrzeugkontrolle überstehen.

Für die ersten zwei Stempel brauchte ich nicht lange, da der Beamte aus irgendeinem Grund den Grasshopers Club kannte.

Für Stempel zwei bis sechs ging es dann dafür etwas länger. Zuerst mussten die Beamten ihr Spiel auf dem Handy beenden. Anschliessend wurde ich herumgereicht. Von der Versicherung rüber zur Bank und nach dem ich um 131$ erleichtert wurde, bekam ich zwei weitere Stempel. Die letzten zwei waren nur noch Formsache, wenn nur der Kugelschreiber nicht verschwunden wäre. Nachdem ich einen auftreiben konnte, ging es nun zur Kontrolle. Nach dem versichern das ich keine Waffen, Drogen und ferngesteuerte Flugobjekte bei mir habe, begann die Kontrolle.

Problem: Die Ausrüstung. Sie wollten, dass ich alles auf dem Boden aufstelle. Vom Zelt über die Schlafsäcke bis zum Tisch, einfach alles. Meine Lösung lautete mit dem Stuhl zu beginnen und siehe da, es genügte.

Problem: Die Kamera sollte kontrolliert werden. Nachdem ich mich Dummstellte und sagte ich kenne mich mit diesem Gerät nicht aus (die Beamten übrigens auch nicht) war diese egal.

Problem: Unsere Apotheke, vielen Dank an Gabriels Mutter für diese Apotheke. Die Beamten heilten mit unserem Koffer alle ihre Wewechen:) und waren schnell zufrieden. Doch beim Traubenzucker musste ein Spührhund her, da dir Vermutung bestand es sei gepresstes Kokain so viel ich verstand. Aber der war auch nicht am Traubenzucker Interessiert.

Anschliessend haben sie noch alle Taschen und Boxen aufgerissen, so das unser Panda im Inneren aussah als hätte eine Bombe eingeschlagen.

Nach zwei Stunden Stempel organisieren und der folgenden Kontrolle fuhr ich erleichtert zu Samuel und Gabriel. Jetzt heisst es möglich schnell die Grenze verlassen. An der nächsten Haltemöglichkeit wurde die Ordnung wieder hergestellt. Und die letzten Kilometer nach Asgabat wurden in Angriff genommen.

 

Roger

Mein Fazit zum Iran

Der nahe Osten war für mich stets eine fesselnde Region und als wir uns für die südliche Route durch den Iran entschieden, warf dies einige Fragen auf. So befasste ich mich vor der Abreise vor allem mit jenem Land. Als Vorbereitung las ich bereits zwei Bücher über den Iran. Einerseits getrieben von einer gewissen Angst, andererseits auch aus Neugierde zur Kultur und Geschichte. Ersteres war der klassische Reiseführer, wo man über Reisebestimmungen, Attraktionen und Verhaltensregeln einiges erfährt. Das Zweite zielte schon eher in unsere Richtung, worin ein deutscher Journalist seine 2-monatige Backpacker-Reise durch den Iran dokumentierte und vor allem über das Leben der iransichen Bevölkerung schreibt. Jenes hat mir vor allem die Angst genommen und mein Interesse noch mehr geweckt, denn sein Fazit fiel äusserst positiv aus. Zumindest was die Bevölkerung angeht. Die politische Führung unter dem Islam als oberstes Gericht ist eine andere Sache. Doch dazu später.

In jedem Fall aber sollte man sich auf eine Reise in den Iran gut vorbereiten. Nicht dass man Angst haben sollte, vielmehr fährt man deutlich besser wenn man den Geist des Volkes bereits ein bisschen kennt. Eines vorneweg, der Iran ist mit Sicherheit kein Land wo man Angst vor Terrorismus haben muss, es gibt nicht mal eine nennenswerte Organisation in diesem Land. Vielmehr sagt der Iran dem Terror den Kampf an wie kein zweiter im nahen Osten.

Der Iran ist mittlerweile einer der einzigen Gottesstaaten der Welt und der Grossteil der Bevölkerung lebt den schiitischen Islam, wobei sie das einzige Land sind, wo dieser die Überhand über dem sunnitschen Islam hat. Das erklärt bereits einiges zur politischen Absonderung zu anderen Ländern. Zweitens sind die Iraner immer noch ein wenig gekränkt, dass man sich im zweiten Golfkrieg gegen sie gewendet hat und die meisten Staaten sich stattdessen für den Irak unter Sadam Hussein stark machten. Dies wird auch heute noch als Machtmittel gegen eine Annäherung zum Westen verwendet. Hauptgrund für dieses negative Weltbild und diese Isolierung sind die beiden Revolutionsführer Khomenei und sein Nachfolger Chamenei. Jene beiden Herren sorgten dafür, dass sich der dazumal in den 80er-Jahren ausgeschlossene Staat zurückentwickelte. Alles unter dem Vorwand des Glaubens, womit sie mit Angst das Volk für sich gewinnen konnten. Natürlich hat im Anschluss der im Westen durchaus prominentere Ahmadinedschad auch noch das Nötige dazu beigetragen.

 

Hier einige Bestimmungen aus jener Zeit, die heute noch gelten:

  • Für Frauen ist es Pflicht, Kopftuch zu tragen, bestenfalls aber eine Burka. Männer hingegen müssen stets lange Hosen tragen. (Im Iran wurde übrigens mit 70,2 °C der Temperatur-Rekord weltweit gemessen, so by-the-way) Ansonsten gibt es Bussen oder gar Haftstrafen.
  • Wer sich dem Islam abwendet, gilt als Ungläubiger und es droht die Todesstrafe. Wenn man sich jedoch wieder zurückbekennt, kann man sich einfach davonretten.
  • Alkohol und Sex vor der Ehe sind strengstens verboten. Für Alkohol gibt es Peitschenhiebe. Allerdings sind jene gemäss Erfahrungsbericht weniger schlimm als die in Saudi-Arabien, denn der Peitscher muss während dem Auspeitschen den Koran unter dem Arm eingeklemmt haben.
  • Das Internet ist unter Zensur und berühmte Seiten wie Facebook und Co. sind komplett gesperrt.
  • Wer einen anderen Menschen tötet, egal welchen Ursprungs, wird selbst zum Tode verurteilt. Es sei denn, die betroffene Familie vergibt dem Täter.
  • Man darf keine ausländischen Gäste aufnehmen. Backpacking ist verboten und führt im schlimmsten Fall zum Entzug der Arbeitsbewilligung.
  • Iraner können kaum ins Ausland reisen, vor allem Europa und die USA gestalten sich als besonders schwierig. Einzig die Türkei, Armenien oder Azerbaidjan sind vergleichsweise einfach. Natürlich haben reiche Iraner weniger Hindernisse. Wer flüchtet, ist Landesverräter und darf nie wieder zurück in den Iran.
  • Musik machen ist für Frauen im Iran nicht gestattet. So hört man durchgehend nur Männer trällern. Auch Frauenmusik zu hören, gehört nicht zu den Gepflogenheiten.

 

Jedes Geschäft muss als mindestens ein Foto der beiden geistlichen Führer Khomeini und Chamenei aufgehängt haben. Zudem sind die beiden betagten Herren allgegenwärtig im Iran. Bereits am Zoll wird man mit finsteren Minen auf Plakaten empfangen. Dies zieht sich durch das ganze Land. Es gibt kaum ein Plakat im Iran wo die beiden Bärtigen Greise nicht herunterglotzen. Ganz im Sinne von: „Passt auf liebe Iraner, wir haben ein Auge auf euch.“

Wer nun denkt, die Iraner halten sich an diese Gesetzgebungen und lassen sich so unterkriegen, täuscht sich gewaltig. Zwar wird der Glaube durchaus gelebt und auch auf offener Strasse wird kaum gegen das Gesetz verstossen. Sind die Iraner aber erstmal in den eigenen vier Wänden, fallen die Hüllen und man macht was man will. Dies erklärt auch, weshalb die iranischen Häuser stets von grossen Mauern umgeben sind und die Fenstergläser oftmals getrübt sind. Dahinter trinken die meisten Jugendlichen Alkohol, oft selbst gebrannt, und auch Kiffen ist hoch im Trend. Praktisch jeder hat Facebook und umgeht die Zensur mit Programmen und auch das Kopftuch haben wir oft fallen sehen. Auch die Vielweiberei ist im Iran ein Begriff. So wird man als Ausländer auch stets auf die genannten Punkte angesprochen und oft ist das erste Einladungsargument der Alkohol. Allgemein sind vor allem die jungen Iraner der Meinung dass wir Westler von morgens bis abends saufen, dazu 7 Freundinnen auf dem Schoss haben und dies im Anschluss auf Facebook posten. Natürlich ist dieses Image vor allem durch Videoclips und Filmen aus unseren Sphären entstanden und was bekanntlich verboten ist, wird interessant. Zu vergleichen mit unserem Bild von Amsterdam, wo wir denken dass die ganze Bevölkerung durchgehend High durch die Weltgeschichte läuft.

Wie bereits etliche Male in den Tagesberichten erwähnt, sind die Iraner wohl das gastfreundlichste Land auf Erden. Mit ein bisschen Wehmut haben wir nun den Iran verlassen und sind uns sicher, dass wir nirgends mehr auf solch ein Volk treffen werden. Die Iraner sind richtig herzensgute Menschen und möchten nie eine Gegenleistung für ihre Hilfe. Besonders süss waren auch die Kleinkinder. Als die Nachbarskinder hörten, dass Schweizer in der Gegend wären, machten sie für jeden von uns ein Armband. Wir haben mit kleinen Abstrichen nur gute Erfahrungen gemacht, wodurch sich in unserem Fall mit der Familie aus Teheran sogar eine gute Freundschaft ergeben hat. Schlechte Begegnungen gab es höchstens mit Regierungsangestellten oder weil einige junge Menschen uns zu frenetisch empfingen.

Auf jeden Fall muss man sich auf keinen Fall vor dem Iran fürchten. Höchstens die Grenzregionen zu Pakistan, Afghanistan und Irak sind laut unseren Informationen zu meiden. Klar, man muss den nötigen Respekt mitbringen und sich an die Vorschriften halten. Zumindest im öffentlichen Raum. Hinter den massiven Grundstücksmauern kann man sich ganz wie Zuhause fühlen und dieses Gefühl geben einem die Iraner auch.

Auch kulturell hat das Land so einiges zu bieten. Das alte Persien hinterließ der Nachwelt einen riesigen Schatz aus einer der spannendsten Zeitepochen.

Es ist zu hoffen, dass das junge iranische Volk den Mut packt und sich den Widrigkeiten im eigenen Land entgegensetzt. Eine Chance darauf besteht sicherlich, wenn Übervater Chamenei (Khomeini hat bereits ins Gras gebissen) das Zeitliche segnet.

Dies alles ist lediglich meine eigene Einschätzung aufgrund meiner Erfahrungen im Iran.

 

Bereist den Iran

Durch das Atomabkommen zwischen den westlichen Wirtschaftsstaaten und dem Iran wird eine Reise ab dem nächsten Jahr wohl deutlich einfacher. Man erwartet, dass der Tourismus wohl um das vierfache anwächst.

Iraner sind sich dessen getrübten Image bei uns durchaus bewusst und wir haben das Gefühl, dass wir vor allem so gut aufgenommen wurden weil wir uns selbstständig und alleine auf die Reise in ihr Land gemacht haben. Mit einer Reiseführung hätten wir wohl kaum solche Bekanntschaften gemacht. Immer wieder wurden wir angesprochen, wieso dass wir ausgerechnet hierhin kommen, wo doch sonst keiner hierher kommt. Unser Tipp: Montiert das Touri-Starterpacket (Hawaii-Hemd, Mallorca-Sonnenbrille, Fischerhut und bestenfalls blondes Haar), setzt euch in den Flieger nach Teheran, steht an die erstgrössere Kreuzung, schaut ratlos in die Weltgeschichte hinaus und wartet ab. Nach kurzer Zeit wird jemand auf euch zukommen und euch helfen.

Die Iraner werden euch im Anschluss den bestmöglichen Urlaub in ihrem Land bescheren.

Samuel

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Tag 26 (11.08.2015) – Iran

Nach Teheran verliessen uns die letzten beiden der Familien und wir waren nach 4 Tagen Action erstmals wieder für uns selber, was auch nicht nur schlecht war. Entgegen der iranischen Reise-Mentalität zogen wir die 850km in die Grenzstadt Qoochan rastlos durch. Kurz vor Schluss wurden wir von der örtlichen Polizei angehalten. Man muss dazu sagen, dass das Polizeiaufgebot immens ist und man alle paar Kilometer an eine Personenkontrolle kommt. Weiter muss erwähnt sein, dass wir bereits einmal 50 Dollar für eine Geschwindigkeitsüberschreitung bezahlt haben, was allerdings in der Bussenhöhe völlig überrissen war. Aber da man Touristen am ersten Tag mit einer Gefängnisdrohung leicht übers Ohr hauen kann, wurden auch wir schwach. Natürlich alles ohne Quittung oder dergleichen versteht sich.

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typische iranische Kulisse

Dieses Mal wurden wir angehalten, weil wir anscheinend mitten in der Steppe auf einer der spärlich ausgestatteten Strassen eine Sicherheitslinie überfahren haben sollten. Auch dieses Mal probierten Sie es mit der finsteren Tour, doch wir kannten die Masche und spielten den dummen Touristen, wobei der Beamte sein Englisch-Büchlein zückte. Als wir den guten Mann leider immer noch nicht „verstanden“, sagten wir ihnen dass wir nun unserem Freund aus der Regierung von Teheran anrufen, welcher anschliessend vermitteln würde. Bereits bei der darauffolgenden Reaktion merkte man, dass es dann doch nicht so schlimm sein würde. Wir riefen dann unseren Freund Haj Asghar an, der jedoch nicht in der Regierung ist, aber umso mehr ein guter Geschäftsmann. Nach einem kleinen Intermezzo zwischen dem Beamten und Haj Asghar blieb es dann lediglich bei einer Ermahnung und er verstaute sein Bussenkatalog wieder. Toll, wenn man solche Freunde hat.

Erst spät abends kamen wir dann an genanntem Ort an und wollten noch ein letztes Mal typisch iranisch im Park übernachten. Dies gestalte sich mühsamer als erwartet. Den je weniger der Tourismus vorhanden, desto ausgiebiger wird es, wenn mal einer kommt. Und nach Qoochan verirrt sich wahrscheinlich alle Schaltjahre mal jemand. So kam es das wir bereits nach geringer Zeit eine grosse Traube um uns bildete und alle wollten wiedermal Fotos und ihre zwei Brocken englisch loswerden. Nach einem langen und heissen Tag im Auto wird dies schnell mühselig. Denn Essen und Ausruhen liegt so nicht drin. Iraner sind stets der Auffassung, dass sie der erste Iraner seien, denn man je gesehen hat und man deshalb immer Elan und Lust hat, mit ihnen Zeit zu verbringen. Vor allem die jungen Leute begreifen Diskretion hier nicht. Man muss sich hier in etwa Cristiano Ronaldo, Lionel Messi und Zlatan Ibrahimovic vorstellen, die zusammen auf dem Campingplatz Mosen Ferien machen wollen.

Die ältere Generation hingegen macht sich vielmehr Sorgen und möchte einen immer ins Hotel stecken damit auch ja nichts passiert. Aber nach 11 Tagen im Iran suchten wir immer noch vergeblich nach einem böswilligen Iraner und somit blieben wir anfangs standhaft beim Campen. Dies führte soweit, dass man uns Geld schenken wollte, sodass wir ins Hotel könnten. Irgendeinmal wurde der Trubel so gross, dass wir mit einem älteren, symphatischen Mann mitgingen, der uns zu sich nach Hause einlud. Sein englisch oder unser Farsi war jedoch so schlecht, dass wir uns nur über Zeichnungen verständigen konnten. Zusammen mit seinen beiden Söhnen verbrachten wir eine letzte Nacht auf dem Teppich und wurden am Morgen klassisch mit Rührei und Fladenbrot geweckt. Danach gab es Fotos und wieder haufenweise Proviant, sodass wir die 60 km Fahrt an den Zoll auch ja überleben würden.

Tag 23 – 25 (08.08. – 10.08.2015) – Wir lieben den Iran, und der Iran liebt uns

King Amir of Persia (Part 2)

… Nein, natürlich nicht! 😀 Es erwartete uns eine prunkvolle, teheranische Grossfamilienwohnung und viele neue Freunde und Verwandte, die mit einer ausgiebigen Mahlzeit bis um zwei Uhr nachts auf uns warteten. So lernten wir den ganzen Rest von Amir’s Familie samt Vater und Mutter kennen. Der Vater gehört definitiv zur Oberschicht des Irans. Er besitzt drei Wohnungen, ein Fliessengeschäft und hat die im Iran übliche und ehrwürdige Anrede „Haj“ (auf Deutsch: Sir). Diesen erlangt man im hohen Alter und man muss unter anderen schon mal die heilige Pilgerstätte Mekka besucht haben. Er und Haj Asghar, bei dem wir zum Mittagessen eingeladen waren, waren übrigens im zweiten Golfkrieg gegen den Irak an der Front und Soldaten aus jenem brutalen Krieg werden im Iran überaus verehrt. Die Kinder von ihnen und deren Verwandten waren zudem alle in unserem Alter und wir freundeten uns schnell an. Eine von jenen belegte an der Universität zudem das Fach Deutsch und sie freute sich sehr, dass dieses mal endlich Anwendung findet. So zeigten Sie uns am nächsten Tag Teheran und im Gegenzug schrieben wir Ihren Deutsch-Vortrag über klassisch deutsche Musik. Teheran gehört mit 15 Millionen (inkl. Agglomeration) zu den grössten Städten der Welt und hat den gleichen Co2-Ausstoss wie ganz Deutschland. Dementsprechend überlastet ist die Stadt dann auch. Riesige und mehrspurige Autostrassen führen in die Stadt und der öffentliche Verkehr ist praktisch Inexistenz.

Als erstes besuchten wir den riesigen Bazar im alten Teheran, bei welchem es definitiv nichts gibt, was man nicht kaufen kann. Wir besuchten eine traditionelle Teppich-Weberei, in der wir dann auch einen kleinen handgemachten Perserteppich kauften. Haj Abolfaz besitzt im übrigen einen, welcher während zwei Jahren von 10 Arbeitern aus Seide gewebt wurde. Danach ging es zum Touri-Klassiker, dem prunkvollen Schah-Palast. Letztes Ziel war im Anschluss der Mihlad Funk-Turm welcher mit knapp 500m über Teheran ragt. Dieses war wohl das eindrücklichste Erlebnis, denn von dort oben nimmt man erstmals die Dimension eines solchen Metropols wahr.

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Gabriel vor dem Mihlad Tower
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Blick vom Mihlad Tower in Teheran
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Sonnenuntergang in Teheran

Am Abend waren wir wieder bei Haj Asghar eingeladen, bei welchem wir seine Familie und das gute Essen noch einmal geniessen konnten. Am Anfang waren wir uns unserem Status gar nicht wirklich bewusst, aber als Schweizer die den Iran alleine bereisen, bekamen wir einen riesigen Respekt entgegengebracht. Iraner sind der festen Auffassung, dass die westliche Welt sie als Terroristen und Salafisten anschaut, was natürlich absoluter Unsinn ist. Zudem ist es für sie eine Ehre, europäische Gäste aufzunehmen. Dies wurde zeitweilig auch ein bisschen unangenehm, denn beide Familien buhlten um unsere Gunst und wollten uns zum Übernachten bei sich haben. Fairerweise entschieden wir uns dann für Amir, welcher uns dazumal in Jalous aufgegabelt hatte.

Da Amirs Familie so etwas wie Quartierbosse sind, öffnete um 1 Uhr, als wir von Haj Asghar zurückkamen, extra der Tabakladen, die Metzgerei, der Getränkeshop und die Shishabar für King Amir höchstpersönlich. Nach den getätigten Kommissionen ging es in Amirs Wohnung und drei seiner Freunde kamen auch mit. Wir schauten das Hochzeitsvideo von Amir, tranken Vodka und rauchten Shisha und Pfeife und es wurde feuchtfröhlicher. Das Ganze zog sich bis um halb 5 Uhr in die Länge und war wahrscheinlich der Beste Abend der bisherigen Reise. Die Sprachblockade konnten wir relativ gut umschiffen, denn oftmals kommt man mit Händen und Füssen weiter als man denkt.

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Party im Iran – Stets hinter verborgenen Türen

Etwas verkatert mussten wir bereits um 9 Uhr aufstehen, da wir ins Zentrum des Irans nach Isfahan fuhren. Natürlich konnte man uns Gäste nicht alleine gehen lassen und das Familienoberhaupt persönlich liess geschäftliches sausen und kam mit Frau und unseren Teheran-Guides mit. Eins haben wir ja bereits gelernt, im Iran fährt man nicht einfach normal und zielstrebig von A nach B. Hier wird alle fünfzig kilometer Rast gemacht und gegessen. So hat sich Amirs Mutter bereits den ganzen Morgen in die Küche gestellt um zwei richtige Mahlzeiten und 3 Snacks vorzubereiten. Zusätzlich wurden unsere Kleider und unser Auto gewaschen.

Mit diesen Reisetugenden erreichten wir Isfahan letztendlich erst um 23 Uhr und wir wurden in einer Schulanlage untergebracht. Spielte auch keine Rolle, denn im Iran schläft man sowieso immer nur auf dem Teppich. Am nächsten Tag besuchten wir die kulturell wohl schönste Stadt und machten alle berühmten Touristenattraktionen durch. Am Abend ging es wieder zurück ins 5 Stunden weitergelegene Teheran wo unsere letzte Nacht bei der Familie anstand. Wie zu erwarten, empfingen uns vor Ort noch einmal alle Verwandten und Bekannten der Familie und es wurde noch ein letztes Mal verabschiedet. Obwohl sie uns während vier Tagen den Hof machten und alles für unser Wohlbefinden unternahmen, freuten sie sich wie Geburtstag und Weinachten zusammen über ein Geschenk, welches wir in Isfahan gekauft hatten. Und obwohl es nur wenige Tage waren, welche wir bei der Familie verbracht hatten, haben wir die ganze Verwandschaft ziemlich gerne bekommen, wodurch uns auch der Abschied umso schwieriger fiel. Eventuell werden uns Amir und seine Frau in den nächsten Jahren mal besuchen, was mit unserer Hilfe aus der Schweiz gelingen könnte.

Am nächsten Tag wurden wir Proviant-technisch nochmals bis unters Autodach ausgerüstet und Amir und Amin begleiteten uns aus dem Moloch Teheran in Richtung turkmenische Grenze.

Mittlerweile sind wir immer noch in Kontakt mit der Familie und probieren diesen möglichst lange aufrecht zu erhalten.

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Tag 21 + 22 (06.08. + 07.08.2015) – Wir lieben den Iran, und der Iran liebt uns…

King Amir of Persia (Part 1)

Diese paar Tage fassen wir nun zusammen weil sie einzeln nicht so interessant wären und bis jetzt unser speziellstes Erlebnis der Reise waren.

Nach der Nacht im Hotel in Rasht planten wir einen Ruhetag in der Millionenstadt Teheran und dem Kulturzentrum Esfahan im Landesinneren ein. Die Route führte uns am kaspischen Meer entlang und würde uns dann über das Elburg-Gebirge nach Teheran führen. Doch es kam alles anders…

Nach 2-stündiger Fahrt hielt am Rotlicht ein grosser Hyundai auf der Nebenspur. Dieser begrüsste uns wieder in klassisch freudiger iranischer Manier und fragte uns, ob wir zu ihm in seiner Villa essen und übernachten möchten. Gegenüber solchen Aussagen waren wir bisher eher etwas skeptisch, jedoch konnte die Frau des Autofahrers perfektes Englisch und die ganze Familie machte einen überaus sympatischen Eindruck und so konnten wir ihr Angebot kaum ausschlagen und willigten ein.

Nach einem kurzen Stop um Oliven zu kaufen (welche wir alle überaus lieben ;-)) kamen wir kurze Zeit später in seiner Villa an. Der Einladende stellte sich mit „Amir, King of Persia“ vor, wobei das wohl eher etwas überkandidelt war. Kaum in der guten Stube, wurde uns ein Whiskey aufgetischt, was natürlich im Iran streng illegal ist. Unser guter Freund wurde vor einiger Zeit gar mit 20 Peitschenhieben bestrafft als er bei einem Schlummertrunk erwischt wurde. Jedoch sind wir ja grundsätzlich keine Kostverächter und schlugen ihm das Angebot natürlich nicht aus. Etwas angetrunken kam ihm die Idee ans Meer schwimmen zu gehen. Obwohl Amir bereits ordentlich einen Sitzen hatte, fuhr natürlich das Familienoberhaupt mit Handfraktur und zu zehnt im Siebenplätzer ging es Richtung Strand. Wir drei in der hintersten Reihe sprachen bei seinem Fahrstil bereits das „Ave Maria“.

Nach dem Planschen gab es Luftgewehrschiessen auf Plastikflaschen und Shisha, während die Damen das Abendessen zubereiten würden. Dies wurde natürlich auch in Tat umgesetzt und nach getaner „Arbeit“ mit viel Action wurde uns ein ausgezeichnetes Abendessen serviert. Wir erzählten unseren Gastgebern, dass wir als nächstes Teheran anschauen möchten, worauf sie meinten wir sollten doch mit Ihnen dorthin fahren, um ihre Familien zu besuchen. Im Iran ist es üblich, dass betuchtere Bürger neben dem Eigenheim ein Wochenendhaus haben. Jenes in Jalous war also nur die für Ferien gedacht und zu unserem Glück kam diese Familie direkt aus der Hauptstadt. Durch unsere etwas planlose Reise durch den Iran willigten wir ein und nach einer angenehmen Nacht bei King Amir ging es am nächsten Morgen weiter Richtung Teheran.

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Amin bei der Zubereitung
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Tee und Shisha

Die Weiterfahrt stellte sich als etwas mühsam heraus, denn unser Gastgeber hielt etwa alle halbe Stunde an, um entweder Plätze zu tauschen oder etwas von den zahlreichen Strassenverkäufern, welche teilweise mitten auf der Strasse standen, zu kaufen.

Hierbei muss jedoch noch etwas gesagt werden…

Nach etwa zwei Stunden hielten wir erneut an, aber diesmal um einen Onkel und dessen Familie zu besuchen. Dort wurde wieder einmal grosszügig aufgetischt und herzhaft über unser bescheuertes blondes Haar gelacht. Wir waren natürlich schon etwas unter Strom und dachten wir würden direkten Weges nach Teheran, aber in dieser und in vielen anderen Hinsichten muss man Iraner einfach nicht verstehen. Schlussendlich fuhren wir am sechs Uhr Abends, zusätzlich mit Onkel und Familie, endlich Richtung Hauptstadt, was sich natürlich nicht als besonders schlau herausstellte, denn es führen nur wenige Strassen, wenn nicht sogar nur eine durch das Elburg-Gebirge, und diese ist natürlich abends (wieso auch immer) höchst kriminell und am meisten befahren. Jedoch ist die Strasse nur einspurig und wie ein Nadelöhr für den Nord-Südverkehr. Da vom Süden kaum ein Fahrzeug über das Gebirge kommt wird die Gegenfahrbahn gut und gern auch als zweite Spur genutzt und auch in Kurven, bei welchen überhaupt keine Übersicht herrscht, wird munter mit hohen Geschwindigkeiten und gestörten Manövern überholt. Wenn man Glück hat, bekommt man vom Vordermann noch ein Handzeichen für herannahenden Gegenverkehr. Nach etwa vier Stunden Fahrt, davon mindestens eine Stunde Stau, kamen wir dann endlich in Teheran beim dritten Teil der Verwandschaft an. Was uns dort erwartete liess uns das Blut in den Adern gefrieren….

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Tratsch-Runde um die beiden frischgeborenen Zwillinge
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Super-Daddy Amin
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Iranische Gastfreundschaft

Tag 20 (05.08.2015) – Iran

Der dritte Tag war wohl der ruhigste, da dieser aus 8 Stunden Autofahren in der Steppenwüste bestand. Mit beängstig dürftigen Benzinvorräten schafften wir es nur knapp über eine unasphaltierte Passstrasse entgegen des kaspischen Meers. Leider wurden wir auch hier wieder Zeuge von zwei Unfällen. Morgens wurde ein streunender Hund vor unseren Augen überrollt und abends ein Motorradfahrer angefahren. Trotzdem fahren 95% der Iraner ohne Helm und Kleinautos sind oft mit mit 6 oder 7 Personen bestückt.

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Wüstenrast

Bereits bei Dämmerung erreichten wir die Stadt Rasht, wo der Park zu unserer Enttäuschung nicht zum Übernachten vorgesehen war. Im Iran jedoch keine Hilfe zu finden ist etwa so unwahrscheinlich wie Sand in der Wüste. Zu unserem Glück trafen wir beim ersten Versuch gleich auf einen Englischlehrer aus Rasht. Dank der aufgeschlossenen Aussenpolitik seiner Regierung war dieser jedoch seit seines 26-jährigen Bestehens weder im Ausland, noch aus seiner Stadt gekommen. Englisch konnte er jedoch perfekt und umso mehr freute er sich dieses für einmal mit Ausländern zu gebrauchen. Zusammen mit seinem Kollegen liefen wir fast eine Stunde von Hotel zu Hotel, da keines Dollar annahm und wieder, dank der hervorragenden iranischen Regierung, bleibt es einem als Ausländern verwehrt, Geldautomaten zu benutzen. Um 1 Uhr nachts fanden wir dann jedoch ein entsprechendes Hotel wo wir gar deutsche Motorradtouristen antrafen.

Unsere Erfahrungen bei der Mongol Rally.